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Ausstellung "Prekäre Lebenswelten" in Karlsruhe

Die Fotografin Sandra Jacques zeigt Verborgenes, Vergessenes, Verdrängtes

[md] - Das Kinderbüro der Stadt Karlsruhe und die freiberufliche Fotodesignerin Sandra Jacques haben mit der Fotoausstellung "Prekäre Lebenswelten in Karlsruhe" ihrer bisherigen Zusammenarbeit in unterschiedlichen Bereichen ein bemerkenswertes Projekt hinzugefügt.

Längst haben sich auch in Karlsruhe die bundesweit bekannten Formen sozialer Verwerfungen etabliert und begonnen, das Stadt- und Lebensbild zu verändern. Mal sind deren Folgen augenfällig, doch noch immer findet der Mangel und das Herausfallen aus gesellschaftlicher Teilhabe weit überwiegend im Verborgenen statt.

Mit der Wanderausstellung stellt sich die Stadt einer Entwicklung, derer sie sich nicht mehr entziehen kann und der sie auf verschiedene Art und Weise zu entgegnen sucht.

"Prekäre Lebenswelten in Karlsruhe" verzichtet auf ausführliche Bildbeschreibungen und fordert auf diese Weise den Betrachter zur individuellen Beschäftigung mit einer verborgenen Nachbarschaft auf. Dennoch gelingt es Jacques, nur mit ihrer Kamera Postulate zu schaffen, die nur wenig Deutungsvariationen zulassen. Sie stehen für sich und einen zunehmend bedrohlichen und verängstigenden Wandel in unserer sozialen Umwelt.

Sandra Jacques hat sich mit offenen Augen durch Karlsruhe bewegt. Sie lebt und arbeitet nicht nur mit ihrer Stadt, sondern spürt sie auch. Immer hat sie es mit ihren Menschen zu tun, sei es als Dozentin an der Volkshochschule, in ihrem Atelier in der Amalienstraße, bei Firmen- und Presseterminen oder als Leiterin der Fotowerkstatt des Jubez. Karlsruhe ist eine gemütliche Stadt im Grünen, mit schönen und von echten Sorgen entfremdet scheinenden Menschen. Aber ihre Fassaden tragen mitunter Risse. Man kann weiter weggehen oder auch andere Wege gehen, um sie nicht zu sehen. Aber man kennt seine Stadt, die Furchen sind da. Sie bleiben, und es werden mehr. Und da man um sie weiß, muss man sich immer seltener zum Ausweichen zwingen. Denn – vielleicht hat man auch schon zu viele gesehen, um ihre Besonderheit als Alltäglichkeit zu erkennen.

Die Fotodesignerin ist besorgt – "viele Menschen hören diesen Problemen nicht zu, sie schauen nicht hin und wollen auch nichts davon hören". Und möchte mit ihren Arbeiten dazu beitragen, dass die bleierne Ignoranz wenn nicht schwindet, dann doch abnimmt und man sich mit diesem Thema beschäftigt. Karlsruhe sei zwar eine reiche Stadt, doch "die Schere" klaffe zunehmend weiter auseinander. Wobei es ihr eben nicht um eine materielle Kluft geht, sondern gerade um die geistige. "Armut ist nicht finanziell, sie entsteht im Kopf und wird dort gemacht", sagt sie. Weder der Mangel an Schulbildung, noch die immer engeren finanziellen Spielräume vieler Menschen engen ihrer Meinung nach die Perspektiven ein und erschüttern, sondern der Verlust der geistigen Sicherheit, sich selbst etwas wert zu sein.

Mit ihren Arbeiten fühlt Jacques weder aufdringlich noch dozierend dieser Routine des Weg- und Übersehens nach. Sieht sie mehr als wir alle anderen? Ja, weil sie es will. Sie will an Grenzen stoßen und dass über diese gesprochen wird. Hierfür schaut sie hinter eben jene Fassaden, die viele nur zu gerne nicht überwinden möchten. Hinter geschlossene Türen, auf vergessene Innenhöfe, in aus der gewünschten Zeit gefallene Lebenswelten. Prekäre Lebenswelten in Karlsruhe.

Die Ausstellung "Prekäre Lebenswelten" ist von 2. bis 12. November2010 im Rathaus West (Kaiserallee 4, 1. OG) zu sehen. Weitere freie Arbeiten zu diesem Thema sind auf der Website von Sandra Jaques zu finden.

Unter diesem Link finden Sie Informationen zum Kinderbüro Karlsruhe.





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