Backgeschichten

(4) Das AUTORiKA-Tagebuch | von Birgit Jennerjahn-Hakenes

"Statistisch gesehen schließt jeden Tag irgendwo im Land eine Bäckerei."*
Tauschen Sie das ä gegen ein ü, das k gegen ein h, dann setzen Sie alles unter die Überschrift: Groß frisst Klein. Denn auch in der Buchbranche gewinnen die Riesen. Der Mensch stopft Massenware in sich hinein, Buchstabensuppe aus der Tüte; 10 Minuten und die Geschichte ist gegessen. Dagegen geht die AUTORiKA an: Exklusiv für den Autorenwettbewerb backt das Brotkorb-Team um Siegfried Hatz ein Brot.

Foto. Klaus Eppele
Schon einmal hat das Team sich etwas überlegt und zum 10jährigen Jubiläum der Kratzbürsten ein Brot entworfen. Hier gehen also keine Unerfahrenen ans Werk. Ich frage mich natürlich: Wie müsste ein literarisches Brot aussehen? Was käme in den Teig? Immer das gleiche? Es gibt schwer verdauliche Geschichten (viel Backpulver) genauso wie schwarzen Humor (verbranntes Brot) und kurzweilige gute Unterhaltung (Brötchen). Nun, Salz gehört wohl in jeden Teig. Oder gibt es dann Plagiatsvorwürfe wie bei dieser Hegemann, weil das Salz ja in die Suppe gehört?

Ich hab' mal gehört, dass der Geschmack eines Brotes von seiner Ruhezeit abhängt. Schnell, wie die Automaten inzwischen in Supermärkten die Backware ausspucken, ist eben nicht gleich gut. Auch Kurzgeschichten oder gar Romane schreiben sich nicht so rasch, wie viele Leser glauben mögen. Autoren gönnen ihren Texten Ruhezeit, nehmen sie dann erneut zur Hand, streichen, kürzen, formulieren um. Und dem Leser erscheint das Werk frisch gebacken. Doch gut Ding will Weile haben, und so sind gute Geschichten nicht etwa altbacken, nein!

Also ich brauche erstmal das Rezept für das literarische Brot. Herr Hatz sagt, da stecke sehr viel Handarbeit drin. Na, das schaue ich mir an. Ich bin zwar nicht so ne Nachteule, aber was tut man nicht alles als Berichterstatterin der AUTORiKA? Heute Nacht werde ich mich in die Bäckerei einschleichen, zusehen und zuschlagen. Wahrscheinlich gewinne ich den Autorenwettbewerb, wenn ich als Text das Rezept einreiche.

FÜNF VOR ZWÖLF:

So nah war ich dran. So nah! Und dann kam ein Dieb. War es nun ein literarischer Dieb oder ein Patentklauer, ich weiß es nicht.
Schauen Sie sich die Bilder an: Ich hab? den Bäckermeistern über die Schulter geschaut, habe sie interviewt und becirct und durch meine Raffinesse das Rezept entlockt. Wer kann es mir verdenken, dass ich mich nach harter Arbeit dem Genuss zuwende und in ein weiches Brötchen beiße, frisch aus dem Ofen? Es war ein Pröbchen des besagten geheimnisumwitterten Brotes.

Literarische Orgasmen purzelten durch mein Kreativhirn. Ich aß, genoss und versuchte, die Geschichten gedanklich festzuhalten. Da geschah es: Eine Hand tauchte aus dem Nichts auf und entriss mir das Rezept. Der Täter muss mir gefolgt sein. Sehen Sie sich die Bilder an. Sachdienliche Hinweise, die zum Täter führen, geben Sie bitte an das AUTORiKA-Team weiter. Als Belohnung erhalten Sie ein Jahr lang das von Siegfried Hatz entworfene AUTORiKA-Brot frei Haus. Gerne komme ich mal zum Frühstück vorbei.

Es grüßt Sie brotlos ihre Ida Castell.





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