Köpfe der Region


Birgit Jennerjahn-Hakenes

Autorin


Birgit Jennerjahn-Hakenes lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Karlsruhe. Nach der Geburt ihres Sohnes 2007 stieg sie aus ihrem erlernten Beruf aus und widmet sich seither ihrer Leidenschaft: Dem Schreiben. Ihre Kurzgeschichte "Bett 29" gewann 2008 im Schreibwettbewerb "Wendepunkte" der Aktion Mensch einen Preis; 2009 veröffentlichte sie in dem Buch "Mauerstücke / Erinnerungsgeschichten" ihren autobiographischen Beitrag "Tonträger im Turnschuh" und las zum selben Thema (Zwanzig Jahre Mauerfall) im November 2009 unter der Schirmherrschaft der Kunstsozietät unitis viribus e.v. in der alten Fleischmarkthalle. "Zwanzig Stunden für ein Telegramm" lautete der Titel ihrer Lesung, in der sie von der Flucht ihres Vaters aus der DDR berichtete.


http://www.wageundschreibe.de


Karlsruhe, 09.02.2010

Woran arbeiten Sie gerade?

Mein geplantes Romanprojekt, das unter anderem der Aufarbeitung der beruflichen Vergangenheit dient (Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation), habe ich hinten angestellt, nachdem ich letztes Jahr mit einem Beitrag zum Thema "Zwanzig Jahre Mauerfall" auf sehr offene Ohren stieß. Mein Vater flüchtete einst aus der DDR, und heute sitze ich – umgeben von Briefen, die 30-50 Jahre alt sind – an meinem Schreibtisch und entwerfe ein deutsch-deutsches Gesamtbild, das sich liest wie ein Roman und doch nichts Erfundenes enthält. Das ist sehr spannend, arbeitsaufwendig, mein großes Projekt und für mich vor allem deshalb wichtig, weil es dem Nicht-Vergessen dient.

Wann haben Sie begonnen zu schreiben – und warum?

Geschrieben habe ich schon immer, ohne zu wissen, welche Leidenschaft dahinter steckt. Früher waren es Briefe, bis sich Brieffreunde beschwerten, weil ich stets sehr schnell antwortete. Sie seien froh, ihre Briefschuld erledigt zu haben und dann käme gleich wieder ein Brief von mir. Briefschuld! So was! Ein Unwort!

Ich war Anfang 30, als ich begann, ernsthaft zu schreiben und zu veröffentlichen. Warum? Weil ich im Flow bin, wenn ich schreibe. Ein schöner Lebenszustand.



Worauf sind Sie stolz?

Im Bezug auf das Schreiben? Auf meine Fortschritte und Fähigkeit, Kritik annehmen und verwerten zu können.

Wie teilen Sie sich Ihren Tag ein – wann schreiben Sie – und wie organisieren Sie ihren Alltag?

Schreiben kann ich am besten morgens. Alles kann ich am besten morgens. Manchmal räume ich vor lauter "alles morgens" dem Schreiben keinen Raum ein, verschiebe es auf abends, wohlwissend, es geht nicht.

Seit September 2009 geht mein Sohn vormittags in die Kita, Zeit genug, Romane zu schreiben, wenn nicht ständig das Leben dazwischen käme. Andererseits schreibe ich genau über das Leben, das dazwischen kommt, also eine gute Ergänzung.
Grundsätzlich verhält es sich so: Morgens ich, nachmittags mein Sohn, am Abend die Familie, am Wochenende von allem etwas – und dazwischen immer mal wieder den Haushalt und die Ideen im Kopf, die auf Fresszetteln festgehalten irgendwann ein ganzes Bild ergeben.

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal gar keine Lust zur Arbeit haben?

Lust zum Schreiben habe ich immer. Nur ist es manchmal ein weiter Weg von der Lust im Kopf zum Griff zum Stift. Dieser Weg führt über den Sport und die Entspannung, die entspannende Leere danach in der Sauna. Hier fallen mir die besten Sätze ein. Inzwischen nehme ich Papier und Lieblingskugelschreiber mit in den Ruheraum.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Sport, Sauna, Sport, Sauna, Sport, Sauna. Und wenn sie touren, gehe ich zu den Rolling Stones, die ich 40& live gesehen habe, u.a. im Clubkonzert im Circus Krone in München, wo ich so laut kreischte, bis mir ein Ordner den Mund zuhielt, ich sei zu laut. Ich bin 68 geboren und kreischte damals aus anderen Gründen, im Circus Krone wollte ich eben als erwachsene Frau auch mal wie in den 60ern bei den Beatles und den Stones kreischen.

Wen würden Sie gerne einmal treffen?

Mick Jagger privat

Was würden Sie gerne abschaffen?

Das Gejammer in Deutschland. Ich würde eine Art "Jammersteuer" erheben. Mit den Einnahmen daraus könnten die Politiker so manche Haushaltslöcher stopfen!!!

Wie entdecken Sie eigentlich die schönen Ecken der Region?

Unbewusst. Ich fühle mich irgendwo wohl und bemerke dann den Ort. Das kann beim Einkaufen passieren, auf dem Weg zum Zahnarzt, in einem Cafe. Aufmerksamkeit heißt das Zauberwort.

Was zeigen Sie Ihrem Besuch?

Den Besuch schicke ich mit Mann und Sohn an die Alb, ins Naturkundemuseum, in die Cafes der Stadt, in den Zoo, ins nahe gelegene Elsass oder in die Pfalz – je nach Alter – während ich zu Hause den Tisch decke, auf den ich etwas Leckeres zaubere.

Was wünschen Sie sich in der Region, was es wirklich noch nicht gibt?

MEIN Schreibcafe!