Buchfühlung - oder: Wie ein Gedicht nackte Tatsachen verbirgt

(1) Das AUTORiKA-Tagebuch | von Birgit Jennerjahn-Hakenes

Jetzt steht's schon in der Presse: Wettbewerb für Autoren. Und ich weiß immer noch nicht, was ich anziehe. Die literarische Gala ist im Juni 2011. Nur noch knapp 12 Monate.

Fotos: Klaus Eppele
Normalerweise schneien die Wintermodenkataloge bei gefühlten 43°C (gefühlt um 3:43 im Schlafzimmer) ins Haus. Dann rege ich mich auf. Jetzt bräuchte ich dringend – und wenn ich dringend sage, dann dringt das an alle Ohren – die Sommermode 2011. Warum diese Eile? Weil ich gewinne.

Mein Kleid für den Galaabend soll entweder ein Gedicht sein oder der Rock so kurz wie eine Geschichte, dessen Höhepunkt so erregend – Verzeihung AUFregend – ist wie ein WM-Fußballspiel.

Literatur zum Anfassen. Genau. Das wär's doch. Sollen die Modefuzzis sich Zeit lassen, ich zieh' meinen Gewinnertext an. Bei einem Gedicht und meiner Oberweite müsste ich schon Schriftgröße 72 wählen, um zu verhüllen, was meine Worte enthüllen. Kurzgeschichten haben mehr Text, der Betrachter müsste näher kommen, auf Buchfühlung sozusagen.

Ja, die Gala ist der Beginn meiner großen Karriere (gibt es eigentlich kleine Karrieren?).

Fotos: Klaus Eppele
Das Kleid zum Buch oder das Buch zum Kleid der AUTORiKA. Nackte Tatsachen verhüllt die herausragende Autorin und zieht an, was der Mensch unter dem Begriff Gedicht versteht.

Meinen Namen? Ne ne. Spannung muss sein. Eine Kurzgeschichte ohne Spannung ist wie eine AUTORiKA ohne - Hm, ohne was eigentlich? Da machen ja alle mit. Ob ich dem Erfolg, dem Ruhm gewachsen sein werde?

Ich entscheide mich für ein Kleid. Besser also eine Kurzgeschichte; in Rot-Schwarz. Das steht mir. Schwarze Buchstaben auf rotem Stoff? Trägt das nicht auf? Lieber rote Buchstaben auf schwarzem Stoff. Quatsch, das kann ja kein literarischer Mensch lesen. Außerdem: Stoff, das ginge nicht. Es müsste bestimmt Papier sein, sonst werfen die mir noch vor, ich sei nicht authentisch.

Fotos: Klaus Eppele
Ich hab's: Bodypainting. Die DWADRIGA soll mir helfen, Frank Schätzing mich bemalen (gerne kann er in sexy Unterwäsche erscheinen). Er soll mich beschreiben. Rot die guten Stellen (das ist dann anders als damals in der Schule, als die rote 6 nur Ärger einbrachte), schwarz die schlechten Stellen. Okay, da müsste ich mehr schwarz einkaufen.

Ich bin begeistert. Das hätten wir. Aber. Hm. Da war doch noch was. Ach ja: Ich muss den Text noch schreiben. Jetzt, wo das größte Problem gelöst ist, werden die Worte fallen wie die Hüllen. AUTORiKA sei dank, du machst mir Spaß!

Was heißt das eigentlich?
A U T O R i K A ?

Das lesen Sie beim nächsten Mal -

Autor: Birgit Jennerjahn-Hakenes, Autorin


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Birgit Jennerjahn-Hakenes lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Karlsruhe. Nach der Geburt ihres Sohnes 2007 stieg sie aus ihrem erlernten Beruf aus und widmet sich seither ihrer Leidenschaft: Dem Schreiben. Ihre Kurzgeschichte "Bett 29" gewann 2008 im Schreibwettbewerb "Wendepunkte" der Aktion Mensch einen Preis; 2009 veröffentlichte sie in dem Buch "Mauerstücke / Erinnerungsgeschichten" ihren autobiographischen Beitrag "Tonträger im Turnschuh" und las zum selben Thema (Zwanzig Jahre Mauerfall) im November 2009 unter der Schirmherrschaft der Kunstsozietät unitis viribus e.v. in der alten Fleischmarkthalle. "Zwanzig Stunden für ein Telegramm" lautete der Titel ihrer Lesung, in der sie von der Flucht ihres Vaters aus der DDR berichtete.

Website: http://www.wageundschreibe.de
Email: ed.nhajrenneJ@SPAMtigriB





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