Köpfe der Region


Christine Kern

Autorin und Illustratorin


Die Karlsruher Autorin und Designerin Christine sammelt im Team mit ihrer Mutter Heike Kern originelle Aussprüche von Kindergartenkindern. Die ersten drei Bücher haben die beiden Frauen im Selbstverlag herausgegeben, eins ist bei Droemer Knaur erschienen und die im Frühsommer kommt ein weiteres auf den Markt. "Wir finden, die originellen Sprachkapriolen, die Kinder zum Besten geben, müssen einfach erhalten werden!" erklärt Christine Kern, die auch die Internetseite www.kindermund.de betreibt.


http://www.kindermund-verlag.de


Karlsruhe, 16.04.2010

Frau Kern, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kindermund-Sprüche als Buch herauszugeben?

Das war vor 10 Jahren, als meine Mutter, die einen Kindergarten leitete,in den Ruhestand gehen wollte. Sie wollte ihrem Team, dem Träger und natürlich den Familien ein Abschiedsgeschenk machen. Ursprünglich hatten wir vor, ein Kinderbuch zu machen; sie wollte den Text schreiben,ich sollte Illustrationen dazu machen. Ich bin Dipl. Grafik-Designerin und habe oft als Illustratorin für Verlage gearbeitet. Dass wir uns dann umentschieden haben und ein Sprüche-Buch entstanden ist, liegt daran, dass es schon so viele Kinderbücher gibt! Wir wollten etwas Besonderes – und ganz Persönliches.

Woher kamen denn die Sprüche für das erste Buch?

Schon als mein Bruder und ich klein waren, hat unsere Mutter ein Buch geführt, in dem sie unsere Sprachkapriolen festgehalten hat. Das war unsere Lieblingslektüre, wenn wir später mal krank im Bett liegen mussten. Aus dieser Zeit stammt die erste Spruch-Veröffentlichung in der Zeitung. Damals wurden abgedruckte Lesergeschichten mit 5 Mark honoriert und das konnte eine junge Mutter gut gebrauchen. Die Anekdote stammt von mir und ist heute noch eine unserer Lieblingsgeschichten: Wir wohnen auf dem Lande. Christine (2) kennt schon viele Tiere und ist immer ganz entzückt, wenn sie Kühe, Schweine und Schafe sieht. Auf dem Weg zum Einkaufen, kommt uns ein Hund entgegen. Sofort fragt sie: »Mama, was ist das für ein großer Hund?« Ich sage ihr, dass das ein Schäferhund sei und erzähle ihr etwas über diese Hunde. Sie hört sich alles interessiert an, überlegt einen Moment und fragt dann unbefangen: »Mama, gibts auch Schweinehunde?«

Als Erzieherin im Kindergarten wird man natürlich mit Kindersprüchen
bestens versorgt. Viele davon hat sie aufgeschrieben und von Zeit zu
Zeit in Elternbriefen veröffentlicht. So kam es, dass wir 2001 mehr als genug Sprüche für unser Buch »Heute sind die Erzieherinnen wieder durcheinander!« hatten.

Hat es den Leuten gefallen?

Und wie! Unsere erste Auflage von – zugegebenermaßen vorsichtigen – 100 Exemplaren, im Copy-Shop ausgedruckt und in blauem Zeichenkarton gebunden, war innerhalb von zwei Wochen vergriffen. Danach habe ich ein neues Konzept für das Buch erstellt, ihm ein professionelles Cover gegeben und es richtig drucken lassen. Das Medieninteresse war wochenlang groß und so war auch die zweite Auflage innerhalb kürzester Zeit weg. Inzwischen sind wir bei Auflage 6.


Das war alles neben Ihrer Berufstätigkeit?

Genau. Die Illustrationen habe ich während meines Urlaubs am Gardasee gezeichnet. Ich habe auf der Terrasse illustriert, mein Freund hat eingekauft, gekocht und mir den Nacken massiert, wenn es mal zu viel wurde. Die Texte habe ich unter der Woche nach Feierabend redigiert, das Layout am Wochenende gemacht und irgendwann war das Buch fertig. Und wir alle sehr sehr stolz.
Was ist das Beste an Ihrer Arbeit?

Eigentlich zweierlei: Die Sprüche selbst und die Reaktion der Leute auf Bücher und Internetseite. Es ist wundervoll, anderen Menschen Lachen schenken zu können. Ich empfinde es überhaupt nicht als minderwertig, wenn man unsere Bücher als »Unterhaltung« bezeichnet. Es gibt genug Schweres in unserem Alltag, da muss man jeden Moment der Leichtigkeit genießen. In einem Leserbrief war es so formuliert: »Ihre Sprüche sind Lichtblick und Freude im oft stressigen Arbeitsalltag.«

Und dann die Sprüche selbst! Obwohl ich jeden Tag welche zu redigieren habe, wird es mir nie langweilig. Natürlich gefällt mit nicht alles, aber es gibt immer wieder Sprüche, da würde ich das Kind am liebsten dafür umarmen! Das müssen nicht unbedingt die lustigsten sein. Man darf nie vergessen, dass die Kleinen ja keine Witze machen wollen, sondern das, was sie sagen, absolut ernst meinen. Wenn wir darüber lachen, dürfen wir sie nie dafür aus-lachen.

Jetzt haben Sie uns neugierig gemacht, können Sie uns denn ein paar Beispiele sagen?

Gerne. Hier ein paar meiner aktuellen Lieblingssprüche:
Am Strand. Leon (3) zeigt Papa aufgeregt eine tote Möwe, die am Wasser liegt: »Papa, was ist mit dem Vogel?« Papa: »Die Möwe ist gestorben und in den Himmel gekommen.« Leon: »Und Gott hat sie wieder runtergeworfen?«

Johannes (4) fragt mich: »Weißt du, was Papa und Mama nachts im Bett machen?« Ich leicht verlegen: »Nein.« Drauf er voller Entrüstung: »Die essen Chips!«

Mein Sohn Max (4) besucht seine Oma in der Kleinstadt. Oma führt den Enkel stolz bei der Kaufmannsfrau vor. Die Kaufmannsfrau fragt Max neugierig: »Und wie heißt dein Vater?« Max darauf: »Mein Papa heißt Liebling!«

"Mein Papa heißt Liebling" ist auch der Titel Ihres zweiten Buchs?

Das zweite Buch entstand aus Sprüchen unserer Internetseite www.kindermund.de. Die habe ich gegründet, weil ich allen Leuten die Möglichkeit geben wollte, ihre Sprach-Anekdoten mit anderen zu teilen. Anders als in vielen Foren, wo man sich endlos austauschen kann, geht es auf kindermund.de ausschließlich darum, Sprüche aufzuschreiben und zu lesen. Mit einer einfachen Bewertungsfunktion kann man Sternchen vergeben oder Sprüche, die einem gefallen, per E-Mail verschicken. Alle 14 Tage verschicke ich die neusten drei Eintragungen in einem Sprüche-Abo. Die Seite ist auch frei von Werbung und dieser Einfachheit haben wir es zu verdanken, dass wir bei der dpa 2007 zur Webseite des Monats gewählt wurden. Übrigens ohne dass wir etwas davon wussten, wir haben das nur durch Zufall erfahren.

Was ist ihr aktuelles Projekt?

Frisch auf den Markt gekommen ist »Der Kaiserstuhl ist nicht zum Draufsitzen!« mit Sprüchen, die in Kaiserstühler Kindergärten gesammelt wurden. Das Besondere an diesem Buch ist, dass wir Künstlerinnen gewinnen konnten, die gemeinsam mit Kindern Illustrationen zu den Sprüchen gemalt haben. Im Sommer wollen wir diese Bilder dann im Original in zwei Galerien ausstellen. Gleich danach wird es ein Buch aus Bayern geben, dort entsteht ein Kindermundbuch anlässlich des 850-jährigen Jubiläums der Stadt Neumarkt. Als Beitrag der Kleinsten zum Fest haben wir Bilder und Sprüche gesammelt.

Und wann kommt ein Karlsruher Kindermund-Buch?

Sobald ich genug Sprüche aus Karlsruhe zusammen habe! Wir brauchen ca. 400 Beiträge, damit ein gutes Buch zustande kommen kann. Normalerweise kommen die Sprüche aus Kindergärten, wo meist traditionell Sprüche gesammelt werden – wie es ja meine Mutter auch gemacht hat. Aber im Grunden kann jeder einen Beitrag leisten. Schicken Sie uns doch eine E-Mail mit Ihrem Vorschlag an karlsruhe@kindermund-verlag.de!

Danke für das Gespräch.