Köpfe der Region


Dr. Irina Nazarenko und Dr. Timo Mappes

Sprecher des Young Investigator Network (YIN)


Dr. Irina Nazarenko, 35, wurde in Kasachstan geboren und studierte Biologie und Molekularbiologie in Moskau und Berlin. Nach der Promotion an der Berliner Charité und der Arbeit am deutschen Krebsforschungszentrum forscht sie heute als Nachwuchsgruppenleiterin zum Thema Exosomen, Stammzellen und Tumorprogression. Sie ist eine stellvertretende Sprecherin des Netzwerks YIN.


Dr. Timo Mappes, 34, hat in Karlsruhe ein Studium in Maschinenbau absolviert, das er 2006 mit seiner Promotion zum Dr.-Ing. abschloss. Heute arbeitet er als Nachwuchsgruppenleiter an der Entwicklung einer Plattform für mikrooptische Sensoren für Life Sciences und ist Sprecher des Young Investigator Networks YIN am KIT in Karlsruhe.


http://www.yin.kit.edu/


Sie sind beide als Gruppenleiter mit einem eigenen Forschungsauftrag hier am KIT tätig. Was sind Ihre Forschungsgebiete?

Irina Nazarenko: Ich bin Biologin und beschäftige mich mit Krebsforschung - genauer gesagt der Kommunikation zwischen dem Tumor und dem restlichen Körper des Patienten. Die Ergebnisse sollen für neue Wege der Diagnostik und Therapie der Krebserkrankungen nutzbar gemacht werden.

Timo Mappes: Mein Thema ist die Schaffung der technologischen Grundlagen für neuartige miniaturisierte Sensorsysteme auf Kunststoffbasis für die schnelle Analyse von Flüssigkeiten. Anwendungen der Systeme mit integrierten Lasern sind möglich in der Chemie, Biologie und Medizintechnik.

Sie gehören heute zu den führenden jungen Wissenschaftlern in Deutschland mit eigenem Forschungsauftrag. Wie wird man so ein "High Potential"?

Irina Nazarenko: Ich bin in Kasachstan aufgewachsen. Meine Eltern haben mich gefördert, indem sie mich auf eine besondere Schule schickten, die mit alternativen Lernmethoden, z.B. Workshops und eigenen Versuchsgruppen gearbeitet hat. Dann bin ich an die Lomonossov-Universität nach Moskau gegangen, die beste Uni des Landes. Hier musste ich mich selber durchbeißen, weil mich meine Eltern finanziell nicht unterstützen konnten. Über einen Studentenaustausch kam ich nach Berlin - ohne ein Wort deutsch zu sprechen. Hier habe ich dann weiter studiert, erst an der Charité und dann beim Deutschen Krebsforschungszentrum gearbeitet.

Das Thema Krebsforschung hat mich schon als Jugendliche interessiert und fasziniert.

Timo Mappes: Ich hatte schon immer Spaß am Lernen. Und zusätzlich auch immer am Organisieren - ich war Schülersprecher und später Fachschaftsleiter - an der Gemeinschaft mit anderen, an der fachlichen und sozialen Auseinandersetzung, dem gegenseitigen Anspornen in einer Gruppe. So war ich ja auch führend bei der Gründung unseres YIN-Netzwerkes dabei.

Weiterkommen motiviert mich ungemein und mir ist es wichtig, dass meine Forschungsergebnisse auch ihre praktische Umsetzung in technischen Anwendungen erfahren. Einen Teil der aktuellen Erkenntnisse werde ich daher mit Kollegen in einer Ausgründung an den Markt bringen.
Wie sehen Ihre Zukunftsvorstellungen aus?

Beide: (wie aus einem Munde) Erstes Ziel ist eine Professur an einer namhaften Hochschule.

Eine Professur als "erstes Ziel"?

Irina Nazarenko: (lacht) Ja, dann gibt es doch noch so viel anderes, zum Beispiel die Leitung eines Forschungsinstitutes. Mal sehen, was sich so ergibt.

Bleibt denn neben der Forschungstätigkeit noch Zeit für andere Dinge zum Ausgleich?

Timo Mappes: Wenn einem die Arbeit Spaß macht wie uns, braucht man keinen "Ausgleich" im herkömmlichen Sinn. Manchmal arbeiten wir die ganze Nacht durch - einfach aus Spaß an der Sache und Neugier. Das macht einem nichts aus.

Also machen Sie nichts anderes als forschen?

Irina Nazarenko: Doch, natürlich. Ich beschäftige mich mit Kunst, ich tanze gerne lateinamerikanische Tänze oder denke beim Klavierspielen nach. Man muss vielseitige Interessen haben, um sich vor Engstirnigkeit zu schützen.

Timo Mappes: Ich befasse mich gerne mit Wissenschaftsgeschichte. Antike Mikroskope faszinieren mich. Dazu habe ich auch eine eigene Website eingerichtet und mit einem Freund in Wien ein Buch darüber geschrieben.

Oft hört man, dass Forschung in Deutschland nicht so top ist wie z.B. in den USA...

Timo Mappes: Während eines halbjährigen Praktikums in den USA habe ich ein paar Unterschiede kennen gelernt. Klar - die Forschungsförderung ist anders und manche Budgets dort sind höher. Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Ausbildung der Studierenden dort drüben nicht so fundiert ist wie hier.

Dieses Jahr arbeitete ich für 6 Monate als "Visiting Professor" ("Gastprofessor") an der Technischen Universität Dänemarks (DTU), einer ausgezeichneten Uni. Die Infrastruktur dort ist sehr gut – doch die am KIT noch besser, daher ist das KIT als Forschungsstätte auch so begehrt.

Irina Nazarenko: Durch meine Erfahrungen als Postdoc (junger Wissenschaftler direkt nach der Promotion) und "Visiting Researcher" sowohl in den USA als auch in Österreich, wo ich ein Jahr verbrachte, kann ich das nur bestätigen: KIT verfügt auch für Naturwissenschaftler über eine extrem gute Infrastruktur, die die Arbeit auf höchstem internationalen Niveau ermöglicht.

Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.



Karlsruhe, Dezember 2010