Köpfe der Region


Dr. Uwe Schlosser

Generalstaatsanwalt in Karlsruhe


Geboren 1954 in Heilbronn und dort auch aufgewachsen, studierte Dr. Uwe Schlosser nach dem Abitur Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg. Im Anschluss an die Referendarzeit und Fertigstellung seiner Dissertation trat er in den Justizdienst des Landes Baden-Württemberg ein.

Zunächst war er als Richter bei verschiedenen Gerichten und als Staatsanwalt eingesetzt, danach schlossen sich Tätigkeiten in der Justizvollzugsanstalt Heilbronn und beim Justizministerium Baden-Württemberg an. Anschließend war er elf Monate an die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und weitere drei Monate an die Staatsanwaltschaft Görlitz abgeordnet.

Sodann kehrte er nach Baden-Württemberg zurück, wo er als Projektbeauftragter an einer Organisationsuntersuchung der Staatsanwaltschaften durch eine Unternehmensberatung mitwirkte.

Von 1995 bis Ende 2001 war er Abteilungsleiter bei der Staatsanwaltschaft Heilbronn und dort zuletzt ständiger Vertreter des Behördenleiters. In der Zeit von November 2001 bis Dezember 2009 leitete er die Staatsanwaltschaft Ellwangen, seit 10. Dezember 2009 sind ihm die Aufgaben des Generalstaatsanwalts in Karlsruhe übertragen.


http://www.generalstaatsanwaltschaft-karlsruhe.de


Welche Aufgaben hat die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe?

Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe übt die Aufsicht über die Staatsanwaltschaften und staatsanwaltschaftlichen Zweigstellen in Baden aus.

So entscheidet sie zum Beispiel über Beschwerden gegen die Einstellung von Ermittlungsverfahren, führt regelmäßige Geschäftsprüfungen bei den ihr nachgeordneten Dienststellen durch und befindet über Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die Behördenleiter. Sie wird vom Justizministerium bei der Entscheidung in allen grundsätzlichen Fragen, die die Organisation und die Arbeitsabläufe der Staatsanwaltschaften betreffen, beteiligt und nimmt gegenüber der Landesjustizverwaltung Stellung zu Gesetzgebungsvorhaben und anderen wichtigen Fragen.

Die Generalstaatsanwaltschaft wirkt zudem an den beim Oberlandesgericht Karlsruhe geführten Verfahren wie zum Beispiel Revisionen und Rechtsbeschwerden oder den Fällen mit, in denen über die Auslieferung einer Person an einen ausländischen Staat zu entscheiden ist. Sie ist zudem an anderen Fällen der internationalen Rechtshilfe beteiligt, führt berufsrechtliche Verfahren gegen Rechtsanwälte und Steuerberater, vertritt das Land gerichtlich und außergerichtlich in bestimmten zivilrechtlichen Verfahren, entscheidet ab einem bestimmten Betrag über geltend gemachte Ansprüche wegen Strafverfolgungsmaßnahmen bei Freisprüchen und Verfahrenseinstellungen und nimmt Aufgaben der Staatsanwaltschaft bei dem Schifffahrtsobergericht und dem Rheinschifffahrtsobergericht wahr.

Weshalb wurden Sie Staatsanwalt?

Eigentlich wollte ich Medizin studieren, weil ich bei meinem Abitur schon mehrere Jahre ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig war. Dies scheiterte jedoch am Numerus clausus. Daher studierte ich Jura und wurde nach Abschluss der Ausbildung in den Staatsdienst übernommen.

Nach verschiedenen richterlichen, staatsanwaltschaftlichen und sonstigen Tätigkeiten im Justizdienst, die alle ihren Reiz hatten, entschied ich mich dann für die staatsanwaltschaftliche Schiene. Sie bearbeiten als Staatsanwalt interessante Fälle, gestalten die Verfahren und wirken mit vielen Menschen zusammen.

Dabei muss der Staatsanwalt dem verfassungsrechtlichen Gebot einer effektiven Strafverfolgung gerecht werden, die Verfahren aber natürlich auch rechtsstaatlich führen. Er hat daher im Gefüge des Rechtsstaats ein wichtiges Wächteramt inne.
Juristen gelten ja gemeinhin eher als trockene Formalisten - diesen Eindruck machen Sie auf uns überhaupt nicht...

Nein, das entspricht auch nicht meinem Naturell. Ich suche im Rahmen der Vorschriften nach raschen, praxisgerechten Lösungen und arbeite gerne mit Menschen zusammen. Selbstverständlich muss man sich an bestimmte Formalien halten, wenn man z.B. an einen Bürger schreibt, einen gerichtlichen Antrag stellt oder dem Justizministerium einen Bericht vorlegt. Als Leiter einer Behörde hat man natürlich auch zahlreiche Verwaltungsaufgaben zu erledigen, aber Sie tauschen sich ständig mit vielen Menschen aus und setzen sich mit interessanten Fällen auseinander. Sie wissen morgens nie, was auf einen zukommt - das macht diese Aufgabe so spannend.

Wie motivieren Sie sich?

Meinen Beruf übe ich sehr gerne aus, weshalb ich keine besondere Motivation benötige. Auch wenn einmal nicht alles wunschgemäß verlaufen ist, gehe ich mit meinen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die nächste Aufgabe wieder optimistisch an. In der Freizeit suche ich den Ausgleich über den Kontakt mit anderen Menschen, unter denen sich nur sehr wenige Juristen befinden.

Wie gefällt es Ihnen in Karlsruhe?

Sehr gut. Es ist heute jedenfalls bei der Justiz noch eine Besonderheit, wenn ein Württemberger nach Baden wechselt. Ich wurde hier jedoch sehr herzlich empfangen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die freundlichen Bürger haben mir den Start leicht gemacht. Die Stadt selbst übt natürlich auf jeden Juristen schon deshalb einen Reiz aus, weil sie Sitz der Bundesgerichtshofs sowie des Bundesverfassungsgerichts und damit die Residenz des Rechts ist. Sie hat einen besonderen Flair, die Bürgerinnen und Bürger sind weltoffen.

Es gibt zudem von hier aus viel zu erkunden, sei es der Schwarzwald, das Markgräflerland oder die Pfalz. Man kann zudem in der Stadt und dem Umland in den zahlreichen gemütlichen Gasthäusern gut essen und trinken.

Der öffentliche Nahverkehr ist ja auch sehr gut ausgebaut und an die besondere Verkehrssituation für die Autofahrer mit den vielen Straßenbahnen und Fahrradfahrern habe ich mich weitgehend gewöhnt.

Vielen Dank für das Gespräch