Köpfe der Region


Felicitias Heyne

Diplompsychologin und Autorin


Felicitas Heyne ist eine der bekanntesten Psychologinnen Deutschlands und erfolgreiche Buchautorin. In zahlreichen Artikeln, Radio- und TV-Auftritten hat sie zu psychologischen Themen Stellung bezogen. Sie ist International Affiliate der American Psychological Association (APA) und Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Psychologen (BDP).

Darüber hinaus ist Felicitas Heyne Entwicklerin des weltweit eingesetzten iPersonic Persönlichkeitstests. Mit Millionen von Nutzern in über 130 Ländern weltweit ist iPersonic einer der erfolgreichsten Persönlichkeitstests. Die auf dem Test basierenden und von Felicitas Heyne entwickelten Ratgeber wurden bislang in über 40 Länder weltweit verkauft.


http://www.ipersonic.de


Karlsruhe, 01.04.2010

Woran arbeiten Sie gerade?

Gerade gönne ich mir eine kreative Pause beim Schreiben, nachdem ich Ende März gemeinsam mit meinem Mann das neue Manuskript, einen Online-Dating-Ratgeber für Frauen 40+ ("Traummann in 90 Tagen", Orell Füssli Verlag) fertiggestellt habe. Ich habe allerdings schon wieder zwei neue Buchkonzepte im Kopf - ich werde die Auszeit also nutzen, um zu entscheiden, mit welchem von beiden ich weitermachen möchte.

Worauf sind Sie stolz?

Darauf, dass ich mit 29 Jahren beschlossen habe, meinen gut bezahlten Job als Executive Assistant hinzuschmeißen und noch mal ganz von vorne anzufangen und Psychologie zu studieren. Das war ganz schön mutig von mir und die beste Entscheidung meines Lebens. Nein - die zweitbeste. Die beste war natürlich, meinen Mann zu heiraten! Ohne seine Unterstützung hätte ich das damals auch so nicht hinbekommen. Den hab ich echt gut ausgesucht!

Wann haben Sie begonnen zu schreiben - und warum?

Geschrieben habe ich schon immer gern. Schon in der Schule waren meine Aufsätze immer mit die längsten in der Klasse! (Deshalb haben auch alle Mitschüler jedes Mal aufgestöhnt, wenn einer davon vorgelesen werden sollte ...) Und mit meiner Diplomarbeit an der Uni können Sie jemanden erschlagen - die musste ich in zwei Bänden binden lassen, weil sie für einen Einband einfach zu dick war! Außerdem bin ich eine echte Leseratte, ich "fresse" Bücher! Unser Postbote fragt bei jedem Amazon-Paket, ob wir nicht langsam mal genug Bücher im Haus hätten, wir könnten doch schon keinen Platz mehr für andere Dinge haben!

Angefangen hat es dann eigentlich mit meinem Internet-Blog, zu dem mich mein Mann inspiriert hat. Er meinte, ich solle doch mal ganz nach Lust und Laune anfangen, im Internet über psychologische Themen zu bloggen. Es gäbe bestimmt viele Leute, die sich dafür interessieren würden. Das hab ich dann 2006 angefangen, erst auf egoload.de, später wurde daraus unser gemeinsames Internetprojekt ipersonic.de. Das hat mir einen Heidenspaß gemacht; ich bekam auch immer wieder sehr nette Mails von Lesern, die mich ermutigten, weiterzumachen. Und 2008 kam dann die Anfrage einer Literaturagentin, die meinen Blog gelesen hatte, ob ich nicht vielleicht ein Buch zum Thema Schwiegermütter und Schwiegertöchter schreiben könnte. So hat alles angefangen.

Wie teilen Sie sich Ihren Tag ein – wann schreiben Sie – und wie organisieren Sie ihren Alltag?

Mittlerweile habe ich das große Glück, dass ich sehr flexibel arbeiten kann. Ich versuche, mir zwei oder drei Tage pro Woche (je nach Phase, in der das Buch gerade steckt) ganz fürs Schreiben freizuhalten. Ich kann nämlich nur anständig schreiben, wenn ich weiß, dass ich mindestens drei, vier Stunden ungestört am Stück vor mir habe. Ich brauche eine Weile, um mich in ein Thema "reinzugraben" und will dann auch nicht abgelenkt werden. Dann vergesse ich auch gerne mal das Essen und Trinken. Mittlerweile hab ich mir eine Armbanduhr angeschafft, die alle eineinhalb Stunden piepst, damit ich dann wenigstens ein Glas Wasser in mich hineinschütte. Im Sommer kriege ich nämlich sonst schnell einen Kreislaufkollaps ...
Die anderen Tage verplane ich dann mit Klienten-, Vortrags- und/oder Seminarterminen. Dadurch, dass ich viel mit Medien arbeite (z. B. als Expertin für Zeitschriften schreibe, in TV- oder Radiosendungen eingeladen werde usw.), gibt es auch immer so eine unberechenbare Störfeuer-Komponente in meinem Alltag. Bei Medien - speziell Radio oder TV - geht es nämlich meistens um Aktualität, und das bedeutet dann: "Haben Sie heute noch eine halbe Stunde Zeit für ein Interview?" So etwas kann man nicht einplanen, das kommt dann überraschend und man muss sehen, ob man es hinbekommt. Aber weil mir das viel Spaß macht, gelingt mir das meistens.

Da mein Mann und ich viel gemeinsam und von zuhause aus arbeiten, können wir - auch in Stresszeiten - viel Zeit miteinander verbringen und haben nicht das Problem vieler beruflich stark eingespannter Paare, die sich nur selten sehen. Und da wir kinderlos sind, genießen wir das Privileg, uns ganz nach unserem Rhythmus richten zu können und den der jeweiligen Arbeitsphase auch immer wieder neu anzupassen. Mit Kindern wäre das alles sicher sehr viel anstrengender und anspruchsvoller - wahrscheinlich müsste ich dann doch deutlich kürzer treten, als ich es so tue.

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal gar keine Lust zur Arbeit haben?

Ich bin ein Disziplinbolzen, das war ich schon immer. "Keine Lust" gibt es bei mir nicht - ich hab einen Plan, was ich an einem bestimmten Tag erledigen möchte, und das wird abgearbeitet, fertig. Meine Freundin, die Astrologin ist, behauptet, das läge an meiner Steinbock-Sonne, das kann schon sein, jedenfalls war ich schon als Kind so. Ich fühle mich auch nicht wohl, wenn ich mein vorgenommenes Pensum nicht geschafft habe. Das Wissen darum, wie zufrieden ich bin, wenn ich alles abgehakt habe, was auf meiner Liste steht, ist für mich in aller Regel Motivation genug.

Schwierig wird es manchmal nur, wenn mein Mann keine Lust zum Arbeiten hat! Das passiert z. B. regelmäßig, wenn die Sonne nach längeren Regenperioden scheint oder es nach einem langen Winter endlich Frühling wird. Dann quengelt er so lange um mich herum, bis ich einsehe, dass ich so ohnehin keinen klaren Gedanken fassen kann und nachgebe - und mit ihm auf die Landeck fahre, Weißen Käse und Bratkartoffeln in der Sonne essen, oder Bärlauch oder Pilze sammeln im Bienwald, oder eine Runde Rad fahren gehe.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Im Sommer ist meine Lieblingsbeschäftigung mein Garten - Rumbuddeln, Säen, Jäten, Schnippeln, Ernten, das sind alles Dinge, die mich erden und zur Ruhe bringen. Im Winter bin ich manchmal unausstehlich, weil mir dieser Ausgleich furchtbar fehlt. Wann immer ich Zeit habe, bin ich draußen zu finden, solange es nicht gerade Hunde und Katzen regnet. Im Sommer gehe ich auch meist täglich ins Freibad, ein paar Bahnen schwimmen. Das ist der einzige Sport, der mir wirklich Spaß macht. Ansonsten, wie schon erwähnt, lesen, lesen, lesen - wenn ich irgendwo sitze, dann immer mit einem Buch in der Hand, und sei es beim Haarefönen oder in der Badewanne. Sehr gerne sind wir auch in der Region unterwegs: wandern, einkehren, wandern, einkehren (siehe oben). Am Wochenende sind meist Aktivitäten mit Freunden und Familie angesagt. Mein Mann ist ein begeisterter und begabter Koch, deshalb haben wir oft Gäste zum Essen, gehen aber auch gerne gut essen. Und im Urlaub reisen wir vorzugsweise irgendwohin nach Spanien, denn mein Mann ist Halbspanier und wir fühlen uns dort mittlerweile beide fast so zuhause wie hier.

Wen würden Sie gerne einmal treffen?

Anne Will.

Was würden Sie gerne abschaffen?

Die immer noch bestehenden Nachteile für Frauen im Berufsleben.

Wie entdecken Sie eigentlich die schönen Ecken der Region?

Mit Hilfe des Weinfestkalenders der Südlichen Weinstraße! Der wird akribisch vom Mandelblütenfest im März in Gimmeldingen bis zum Dornröschen-Christkindelmarkt in Dörrenbach im Dezember durchgearbeitet, so dass wir jedes Wochenende mindestens eine, meist mehrere schöne Locations kennenlernen oder wiedersehen.

Was zeigen Sie Ihrem Besuch?

Das Steinzeitmuseum in Herxheim, den Blick über die Weinberge von der Landeck aus, den Dom in Speyer und die Winzergasse in Gleiszellen.

Was wünschen Sie sich in der Region, was es wirklich noch nicht gibt?

Das Meer!