Köpfe der Region


Frauke Bahle

PreisträgerIn AUTORiKA Autorenwettbewerb


FRAUKE BAHLE, geboren 1969 in Kassel. Lebt seit 1989 mit Unterbrechungen in Karlsruhe. Arbeitet als freie Redakteurin für Fachbuch- und Ratgeberverlage und medizinische Zeitschriften. Schreibt Kurzgeschichten und Gedichte.


http://www.autorika.de


Karlsruhe, 14.12.2011

Woran arbeiten Sie gerade?

Mich beschäftigt das Thema Sichtweisen. Jeder von uns lebt doch in seinem eigenen kleinen Kosmos. Dabei machen wir uns selten klar, dass das, was wir für Wirklichkeit halten, eigentlich eine ziemlich subjektive Einschätzung ist. Kein Wunder, dass es da ständig zu Missverständnissen kommt. Ich glaube, das ist ein unerschöpfliches Thema, mal schauen, wo es mich hinführt.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich bin viel gereist, und um nicht in vielen einzelnen E-Mails meinen Freunden von meinen Erlebnissen zu berichten, habe ich irgendwann Berichte und Anekdoten auf eine Homepage gestellt. Daraus sind dann Erzählungen geworden, bei denen ich mir nach und nach immer mehr "schriftstellerische Freiheit" genommen habe. Dann hat mich das Thema Reise irgendwann gelangweilt, und es sind Kurzkrimis, Satiren, skurrile Geschichten und auch ein paar Gedichte entstanden.

Was fasziniert Sie daran?

Ich kann eine Welt erschaffen, um es mal ganz pathetisch auszudrücken. Ich kann Gegenstände sprechen lassen, Naturgesetze außer Kraft setzen oder gar widerlegen, ich kann übertreiben und die Dinge ad absurdum führen – solange es in sich schlüssig bleibt. Der letzte Nachsatz ist dann allerdings die Krux an der Sache.
Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Ein Nebensatz hier, eine unsinnige Bemerkung da, ganz besonders inspirierend sind diese Abende mit Freunden, an denen ein Wort das andere gibt und man am Ende nur noch Blödsinn redet. Da ist eigentlich immer was dabei, zu dem mir eine Geschichte einfällt, ich muss mich nur am nächsten Morgen noch daran erinnern. Auch Schreibwettbewerbe sind Ideengeber. Mit dem Thema Einsamkeit hatte ich mich bis zum AUTORiKA-Wettbewerb noch nie beschäftigt.

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal gar keine Lust zum Schreiben haben?

Wenn ich gar keine Lust habe, dann schreibe ich nicht. Wenn es nur die üblichen Startschwierigkeiten sind, dann gehe ich manchmal in die Bibliothek und schreibe da. Dort gibt es keine Kühlschränke, die unbedingt abgetaut werden müssen, und wenn ich dort anfinge, Fenster zu putzen und Staub zu wischen, würde mich bestimmt bald jemand an meinen Computer zurückschicken.

Sie haben bei der AUTORiKA mitgemacht. Was hat Sie daran gereizt?

So sehr mir das Schreiben an sich Spaß macht, richtig spannend wird es doch erst, wenn man damit nach außen tritt, gehört und vielleicht sogar beurteilt wird. Das beinhaltet zwar die "Gefahr" eines negativen Feedbacks, aber immer noch besser als gar keine Reaktion.

Was wünschen Sie sich in Karlsruhe, was es hier noch nicht gibt?

Eine U-Strab, damit die Baustellen endlich wieder verschwinden.

Vielen Dank für das Gespräch.