Köpfe der Region


Friedemann Schäfer

Autor, Stadtführerr, Leiter des Klassik-Nachtcafes


Friedemann Schäfer, Jahrgang 1962, studierte Sozialarbeit und Verwaltungswissenschaft. Seit 2003 bietet er Stadtführungen in Karlsruhe an zu den Themen Klassizismus und Jugendstil. Auch ist er als Dozent für klassische Musik an verschiedenen Bildungsstätten tätig.

Seit Februar 2004 gestaltet Friedemann Schäfer auch das Klassik-Nachtcafé in Karlsruhe und möchte damit nicht nur Kenner inspirieren, sondern auch Neugierige und bisher Skeptische "auf den Geschmack bringen".


http://www.jugendstil-in-karlsruhe.de/


Friedemann Schäfer, geb. 1962, ist Wahl-Karlsruher mit schwäbischen Wurzeln. Seit einigen Jahren bietet er Stadt- und Museumsführungen zu den Themen "Jugendstil" und "Klassizismus" an und leitet das monatliche Klassik-Nachtcafé im Café Palaver. Regelmäßig macht er exklusiv für "Karlsruhe entdecken" Tourenvorschläge in der Rubrik "Ausflüge + Reisen". "Karlsruhe entdecken" fragte ihn nach seinem Weg zur Kunst.

Herr Schäfer, wie hat es Sie denn nach Karlsruhe verschlagen?

Ich bin eigentlich zu meinem Glück gezwungen worden. Als Schwabe, der in einer Kleinstadt im Bergland aufwuchs, wäre es mir nicht im Traum eingefallen, einmal hier zu wohnen. Die Rheinebene war mir immer trostlos und langweilig vorgekommen. Aber als ich aus beruflichen Gründen hierher kam, war ich sofort sehr angetan von der Ausstrahlung der Stadt und der schönen Umgebung. Ich habe zunächst in der Weststadt, am Gutenbergplatz gewohnt; und das hat mir das Einleben natürlich sehr leicht gemacht?

Vor einigen Jahren haben Sie als einer der ersten in Karlsruhe begonnen, private Stadtführungen anzubieten. Wie kam es dazu?

Darauf hat mich ein auswärtiger Freund gebracht, der mich ab und zu besuchte und dem meine Art, ihm die Stadt zu zeigen, gefallen hat. Er schlug mir vor, das doch auch einmal im größeren Rahmen zu probieren. Dazu kam, dass ich damals viel über die Karlsruher Architekturgeschichte las und mir auffiel, dass sie eine der bedeutendsten Jugendstil-Städte Deutschlands war. Dies war den Fachleuten natürlich bekannt - aber sonst kaum jemand. Deshalb habe ich dann bald viel Interesse gefunden für meine Führungen zu diesem Thema.

Aber warum sollte Karlsruhe in dieser Hinsicht so einzigartig sein? Jugendstil-Häuser gibt es doch in jeder größeren Stadt genug!

Das stimmt, aber die sind in einer späten Phase des Jugendstils entstanden, als es sozusagen "nicht mehr viel Mut brauchte", modern zu bauen. Die Karlsruher Architekten und Designer gehörten jedoch zu den absoluten Pionieren dieses Stils in Deutschland – und die Qualität ist hier auch deutlich höher als in den meisten anderen deutschen Städten.
Und daraus hat sich dann die Idee mit den beiden Bänden "Stadtspaziergänge in Karlsruhe" ergeben?

Ja, ich fand glücklicherweise einen Verlag, den G. Braun Buchverlag, der das Projekt eines Jugendstil-Buches mit Begeisterung unterstützte. Auch der zweite Band, über den Karlsruher Klassizismus, ist optisch sehr wertvoll gelungen. Und auch wer sich für Kunstgeschichte vorher wenig interessierte, wird die Bücher gerne durchblättern und manches "Aha-Erlebnis" haben.

"Kunst für jedermann" ist ja auch das Motto des Klassik-Nachtcafés?

Genau. Der Begriff stammt eigentlich von Herrn Bögle, dem Leiter des wirkstatt e.V., den ich eines Tages fragte, ob ich dort Seminare über klassische Musik geben könnte. Er meinte, die wirkstatt sei keine Schule, und nach einigem Nachdenken hatte er den Geistesblitz eines "Klassik-Nachtcafés". Sofort sah ich alles vor mir: die offene Atmosphäre in einem Szenecafé, eben dem Café Palaver, klassische Musik in kleinen Häppchen serviert, so dass man verschiedene Stile und Komponisten schnell kennenlernen kann, und dazu Erläuterungen auf höchstem Niveau, die aber jeder sofort verstehen kann. Es wurde im Lauf der Jahre auch ein Erfolgskonzept, das es meines Wissens in Deutschland kein zweites Mal gibt.

Nochmals zurück zu Ihren Stadtführungen: Haben Sie uns noch ein paar Tipps für nette Plätze, die nicht jeder kennt?

Zunächst den Schlossturm! Viele Karlsruher wissen bis heute nicht, dass man ihn besteigen kann. Dann zwei Innenräume: das mächtige alte Tor in der Münze sieht so abweisend aus, dass man lieber schnell vorüber gehen möchte. Es ist jedoch während der normalen Bürozeiten geöffnet! Man kommt in den schönen Innenhof, der einzige Weinbrenner-Bau, der den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden hat. Weiterhin die Kunsthalle, deren schönes Treppenhaus man sich auch dann anschauen sollte, wenn einen die Gemälde nicht so interessieren. Zum Essen: das kleine Café Pan in einem Innenhof der Kaiserstraße mit wunderbaren Crepes und das Café Jäck in der Karlstraße mit etwas vergilbter Einrichtung, aber Törtchen mit Weltklasse?

Und in der Region?

Zwei Schwarzwaldberge, die keiner kennt: der Omerskopf bei Bühl mit Felsen, Heidelbeeren und verschwiegenen Aussichts-Plätzchen und der Ochsenkopf nahe der Schwarzwald-Hochstraße, auf dem man beispiellose Urwald-Abenteuer erleben kann...

Herr Schäfer, wir danken Ihnen für das Gespräch.



Anmerkung der Redaktion:
Wir danken Herrn Schäfer auch für die Ausflugstipps, die er regelmäßig exklusiv für karlsruhe-entdecken.de zur Verfügung stellt.
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