Köpfe der Region


Interview mit ANA & ANDA

Musikerinnen und Textildesignerinnen


"Schillernd, umtriebig und immer wieder für eine Überraschung gut: Das Karlsruher Künstlerinnen-Paar ANA & ANDA wirbelt mit unbändiger Kreativität durch die Kulturszene.

Bekannt wurden die Musikerinnen und Textildesignerinnen durch ihr Engagement für Menschenrechte. Ob Neue Musik oder Krawatten, immer steht der Gedanke einer gerechten Welt dahinter. So produzierten sie die CD "Zu Recht gebogen" zur Menschenrechtserklärung und die CD "Neustart" mit zwölf musikalischen Visionen.

Mit Gründung des Öko-Labels "Nachhaltige Eleganz" wurden sie Herstellerinnen fairer Krawatten, Fliegen, Schals und Tücher aus Bio-Seide.


http://www.anaundanda.de


Woran arbeiten Sie gerade?

Nachdem wir gerade in Windeseile über Nacht für einen Kunden eine farblich passende Bio Seidenfliege zum Kleid seiner Frau hergestellt haben, vollenden wir nun unsere erste Sonderedition für eine Wiederverkäuferin. Sie hat sich zweifarbige Schals aus Bio Seide in zehn verschiedenen Farbtönen gewünscht.

Zwischendurch setzen wir uns an die Instrumente und proben für das nächste Konzert: Das 20jährige Jubiläum einer Gleichstellungsstelle. Ein maßgeschneidertes Programm für vietnamesisches Holzschlagzeug, Akkordeon, Klavier und Gesang – langweilig wird es bei der Arbeit nie!

Wie kamen Sie zu Ihren heutigen künstlerischen Aktivitäten?

Durch die gemeinsame Arbeit und das gemeinsame Interesse am Zeit- und Weltgeschehen. Dieses Interesse floss automatisch in unser musikalisches Schaffen ein. Aus der Musik entstand dann wiederum die Öko-Mode. Es ist einfach unmöglich, ein Lied über Suleika, die sich in einer Textilfabrik kaputt schuftet, zu singen und selber auf der Bühne Seidenaccessoires aus solchen Fabriken zu tragen!

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Die Welt ist voll davon! Durch die Stadt gehen, einkaufen, Radio hören, Zeitung lesen, Gespräche führen: Das alles sind für uns Quellen der Inspiration. Anstrengend ist nicht das Ideen-Haben, sondern deren Umsetzung! Das ist die eigentliche Arbeit von Künstlerinnen.

Wie motivieren Sie sich, wenn Ihnen die Lust zur Arbeit fehlt?

Mit kleinen Belohnungen, z.B. ein Eis im Sommer, ein Besuch bei der Nachbars-Katze, ein langer Spaziergang durch den Wald, ein Telefonat mit einer lieben Freundin, ein Vernissagen-Besuch. Manchmal entstehen Ideen gerade auch aus der Unlust heraus – deshalb ist es wichtig, sie als Teil der Gefühlswelt zu akzeptieren.
Mit welchen Schwierigkeiten kämpfen Künstlerinnen in Karlsruhe?

Mit keinen anderen, als Künstlerinnen überall in Deutschland: Mit der "Umsonst"-Mentalität der Gesellschaft, mit dem "Schneller, höher, größer"-Wahn, mit der Verflachung, die der Kultur durch Kommerzialisierung drohen kann. Mit diesen Schwierigkeiten kämpfen aber auch viele Nicht-Künstlerinnen. Und es ist schön, dass sich immer mehr Menschen gemeinsam dagegen wehren.

Was gefällt Ihnen an der Region?

Wir sind leidenschaftliche Karlsruhe-Fans! Es gibt viel Platz und Raum in dieser Stadt, alles ist mit dem Fahrrad erreichbar, die Radwege werden immer besser ausgebaut, es gibt viele Grünflächen, ein reiches Kulturleben und der Kontakt zur Stadtregierung und –verwaltung ist gut. Es gibt viele sehr freundliche und interessante Menschen hier – und nicht zuletzt genießen wir auch die klimatisch begünstigte Lage Karlsruhes.

Was zeigen Sie Ihrem Besuch?

Wir führen ihn auf einen "ökofairen Rundgang" durch die Stadt und zeigen ihm, wo überall es Organisationen, Institutionen, Gruppen und Anbieter/innen von Dienstleistungen und Produkten rund um "öko und fair" gibt. Und wir zeigen ihm die unzähligen Museen Karlsruhes, von denen wir jedes einzelne wärmstens empfehlen können.

Was wünschen Sie sich, was es hier noch nicht gibt?

Eine straßenbahnfreie Innenstadt – aber die bekommen wir ja jetzt! ;-)

Vielen Dank für das Gespräch.


Karlsruhe, September 2010