Köpfe der Region


Interview mit Aaron Schmitt

Poetry-Slammer


Aaron E. Schmitt, geboren 1988 in Griesheim. Studiert seit 2012 Malerei/Grafik an der staatlichen Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe. Er ist Mitveranstalter der Kleinkunstlesebühne "An Wort und Stelle" in der badischen Landesbibliothek, sowie der offenen Lesebühne in der Bento.bar am Werderplatz. Zudem ist er Teil der kreativen Kumpanei des "Brot und Kunst" Verlages und tritt überall dort mit seinen Gedichten auf, wo man ihm eine Bühne bietet.


http://kopfstand.jimdo.com/


Woran arbeiten Sie?

Die banal erscheinende und ehrlichste Antwort, die ich darauf geben kann, ist: Ich arbeite an mir selbst.

Meine Bilder und Texte sind demnach Nebenprodukte eines stetigen in Fragestellens der eigenen Person und ihrer Wechselwirkung innerhalb unterschiedlichster Gesellschaften.

In der Malerei thematisiere ich den Schatten. Der Schatten als verzerrte Form einer Wirklichkeit, als dunkles und bleiches Abbild, das in den Hintergrund rückt und im Rücken des Offensichtlichen verborgen liegt.

In meinem Schreiben beziehe ich mich auf das aus meiner Sicht Bemerkenswerte im Alltäglichen. Das im Unauffälligen verborgene, was meist wenig Beachtung bekommt und dadurch oft verkannt und vergessen wird, versuche ich durch Sprache zu thematisieren.

Unverkennbar überschneiden sich das Schreiben, wie auch die Malerei, sowohl inhaltlich als auch in ihrer Vorgehensweise. Beide Bereiche beeinflussen sich gegenseitig, potenzieren sich und stoßen sich ab. Ich bewege mich produktiv im Spannungsfeld.

Wie arbeiten Sie?

Nach einer Zeit des Sammelns, von Eindrücken, Meinungen und Erfahrungen kommt es zu einem starken Ausbruch von Gefühlen, die ich dann schriftlich festhalte. Manche so entstandene Niederschrift bearbeite ich dann anschließend, um die Intention eines Textes zu präzisieren. Oft gelingt es mir. Manches Mal aber scheint mir das Rohmaterial intensiver und aussagekräftiger zu sein und ich kehre zu meinem Ausgangspunkt zurück.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Durch einen ähnlichen Gefühlsausbruch, wie zuvor beschrieben, welcher eine mit Buchstaben und Wörtern überquellende Zimmerwand zur Folge hatte, schrieb ich mein erstes Gedicht, in dem ich die zunächst zusammenhangslosen Zeichen zu einem sinnhaften Ganzen vervollständigte. Mit diesem, meinem ersten Gedicht, ging ich zu einem Treffen von Undergroundliteraten und trug es in einem verwinkelten Teegeschäft unter den neugierigen Gesichtern der Anwesenden vor. Durch Zuspruch und den weiteren Drang Texte zu verfassen, kam ich noch weitere Male zu einem solchen Treffen, bevor ich aus dem Teegeschäft heraus und auf eine große Bühne trat. Vor geschätzten 8oo Zuschauern sprang ich damals ins kalte Wasser und versuche seither nicht in der Ökonomie der Aufmerksamkeit unterzugehen.
Was fasziniert Sie daran?

Mich fasziniert Sprache als Rohmaterial. Es macht mir große Freude mich in der Gestaltung einer Satzkonstruktion zu verlieren, die Alltagssprache von allen Seiten zu bearbeiten und meiner Wahrnehmung eine Form zu geben.
Mit dieser so entstandenen Sprache auf Bühnen zu gehen, reizt mich, gleichsam einer Unterhaltung mit einem Fremden. Der erste Eindruck, das austestende Kennenlernen, das sich Öffnen und hoffen verstanden zu werden. All das bleibt bestehen, mit dem Unterschied dabei gleich einer ganzen Menge von Fremden gegenüberzustehen.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Es ist mir selbst ein Rätsel. Und es ist gut, dass es so ist. Wüsste ich, woher meine Ideen kommen, könnte ich es kalkulieren und immer wieder hervorrufen. Meine Arbeit aber lebt von dem spontanen Moment. Das Unvorhergesehene gibt mir die Möglichkeit, dass ein Werk meine eigene Vorstellung sprengt.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie zu kämpfen?

Neben den typischen Schwierigkeiten des Gelderwerbs und der damit verbundenen Zukunftsangst, habe ich häufig Schwierigkeiten meine Arbeit zu kanalisieren. D.h. ein Thema zu bearbeiten, ohne dabei in etliche Ausläufer desselben abzudriften.

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe?

Mir gefällt der Schlosspark, die Bento.bar am Werderplatz und dass ich jeden Punkt innerhalb der Stadt mit dem Fahrrad erreichen kann.

Was wünschen Sie sich, was es hier noch nicht gibt?

Eine U-Strab-Linie durch den Schlosspark direkt zum Meer.

Vielen Dank für das Gespräch