Köpfe der Region


Interview mit Bernd Gnann


Bernd Gnann ist Jahrgang 1973 und wurde in Aulendorf (Oberschwaben) geboren. Sein Abitur absolvierte er am Studienkolleg St. Johann/Blönried. Anschließend erhielt Gnann eine Schauspielausbildung auf der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart.
Als Theater-Schauspieler war Gnann unter anderem am Schauspiel Essen, am Residenztheater München und am Staatstheater Stuttgart tätig. In Film und Fernsehen ist Gnann ab Mitte der 1990er Jahre in SWR Tatort und div. Serien, Filmen und Dokumentationen zu sehen.
Auch als Kabarettist hat sich Bernd Gnann längst eine Namen gemacht. Mit seinen Soloprogrammen "Die Made" und "Heimatabend" feiert er überregional Erfolge.
Seit 2009 ist Bernd Gnann Geschäftsführer am Kammertheater Karlsruhe und Teilhaber der Gaststätten "Marktlücke" und "Im Schlachthof" in Karlsruhe


http://www.berndgnann.de


Ihre ersten schauspielerischen Erfahrungen haben Sie im Schultheater gesammelt. War Ihnen damals schon klar, dass Sie Schauspieler werden wollten?

Nein, mir war es damals noch nicht bewusst, dass ich eine "Bühnenpräsenz" habe. Im Alter von 15 Jahren kann man das auch nicht erwarten, da hat man eher was anderes im Kopf, z.B.: Wie bekämpfe ich meine Pickel im Gesicht damit ich den Mädchen gefalle? oder: Ich finde meine bunte Hose cool, ich weiß gar nicht was die anderen da lästern usw....
Erst als mein Lehrer mich zu seiner Kabarettgruppe geholt hat wurde mir klar, dass dies mein Leben sein könnte. Da war ich dann 16 Jahre alt.

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen und gab es jemand, der Sie gefördert hat?

Schwierigkeiten hatte ich in der Schauspielschule mit dem Sprechunterricht. Hochdeutsch konnte ich schnell, aber das Stimmtraining und die esoterischen Körperübungen machten mir Landjungen schwer zu schaffen. Ich wusste nicht warum man das alles üben soll.
Später im Theater war mir das dann klar. Die Frage des Stimmtrainings hatte sich erledigt, das braucht man tatsächlich, aber die Frage der Selbstfindung durch esoterische Körperübungen ist mir bis heute ungeklärt.

Als festes Ensemblemitglied am Schauspiel des Staatstheaters Stuttgart spielten Sie ein breites Repertoire von der Antike bis zur Moderne. Was liegt Ihnen am meisten?

Ich spielte beides gerne. Es kommt oft auf den Regisseur an. Ich liebe historische Stücke, wenn man sie respektvoll behandelt und nicht versucht durch irrsinnig tolle Regieeinfälle das Stück zu verfremden. Moderne Stücke liebe ich natürlich auch.

Später waren Sie im Kino zu sehen und im Fernsehen, meist in Krimiserien, u.a. in Polizeiruf 110, in Der Alte, oft auch mit Hauptrollen im TATORT. Was hat Sie an diesen Rollen gereizt?

Grundsätzlich spielte ich oft die Bösewichte, obwohl das nicht unbedingt mein Naturell ist. Aber diese Rollen bieten einem mehr Spielfläche als die Kommissar- Rollen. Der Reiz im Film ist, eine Situation in kürzester Zeit auf dem Punkt zu bringen. Viel Proben kann man am Set nicht, da gehts gleich zur Sache. Im Theater wird erst mal 6 Wochen geprobt. So hat beides seine Vorteile, die ich in Ihren Unterschieden sehr liebe.

Sie sind seit Jahren auch als Hörfunkmoderator für den SWR2 tätig. Wieder ein ganz anderes Aufgabengebiet. Was gefällt Ihnen daran?

Ich bin nicht Moderator, sondern Sprecher für den SWR. Im Radio darf man alle Emotionen und Typen in die Stimme packen. Hörspiele sind die Spitze der Kunst für mich. Man hat nur die Stimme und Geräusche um den Hörer zu erreichen. Radiowerbung mache ich auch sehr viel. Auch da finde ich es spannend einen Werbespot in nur 20 Sekunden einem Hörer unvergesslich zu machen.
Sie treten auch als Kabarettist auf mit eigenen Solo-Kabarettprogrammen. Und Sie sind Geschäftsführer des Kammertheaters Karlsruhe. Woher nehmen Sie bloß die Energie, das alles zu koordinieren?

Meine Soloauftritte nehme ich als Erholungspausen. Da mein Tag nur 24 Stunden hat, ich aber 72 Stunden benötige, brauche ich ein gutes Team um mich. Dieses tolle Team besteht aus über 100 Personen. Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeiter, sie helfen mir bei diesen vielen Projekten den Überblick zu bewahren, auf sie ist Verlass und ich darf immer wieder mal in Urlaub. Die zwei Gastronomien "Marktlücke am Marktplatz" und den "Schlachthof" werden neben mir auch von meinem Bruder Hamme und Hilmar Schäuble betrieben.

Das Kammertheater wurde 1956 gegründet und widmete sich in erster Linie dem gehobenen Boulevardtheater. Was hat sich unter Ihrer Leitung verändert?

Wir haben den Spielplan leicht verändert. Boulevardstücke sind seltener geworden, zeitgenössische Komödien wie "Gut gegen Nordwind" , Musicals wie die "Rocky Horror Show" oder die "Heißen Zeiten" dafür öfter in den Spielplan gebracht. Das Kammertheater hatte schon immer einen guten Ruf. Wir versuchen diesen weiter aufzubauen.

Karlsruhe hat bereits viele Theater. Trotzdem wollen Sie im Herbst
2013 eine zweite Spielstätte in der Kreuzstraße eröffnen. Warum? Ist die Auslastung des Kammertheaters so hoch?

Unsere Auslastung ist hat sich sehr gut entwickelt. Ich habe das Theater mit einer Auslastung von knapp 40% übernommen. Nun sind wir weit über 80%, worauf wir stolz sind. Dies liegt an der Vielfalt der Stücke, die wir unseren Gästen anbieten. Da wir noch so viele Ideen haben, brauchen wir unbedingt eine weitere Spielstätte. Zum Beispiel werden wir zum ersten mal ein Varieté ins Programm nehmen. Akrobaten, Tänzer, Sänger werden eine wunderbare Reihe "Little, Big World" im Kammertheater starten, die jedes Jahr mit uns ein neues Programm inszenieren.

Sie betreiben ein weiteres Unternehmen, die gnann-Airlines. Mit Ihrem Ultraleichtfluggerät kann man also auch in die Luft gehen. Was reizt Sie an diesem Sport?

Fliegen ist auch ein Geschäftszweig meines Tuns. Zumeist werden Flüge für Filmaufnahmen gebucht. Da ich mich beim Film auskenne, weiß ich was die Kameraleute brauchen. Fliegen mit einem Tragschrauber ist ein wunderbares Erlebnis. Kostengünstig und ohne Stau!!!

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe?

Die Stadt ist gesund. Das Klima, die Lage, das Essen. Die Größe der
Stadt ist ideal. Man kennt sich, man sieht sich aber nicht täglich.
Der Fortschritt der Stadt ist enorm. Der Starke Mittelstand macht Karlsruhe sicher in Wirtschaftlichkeit und Arbeitsplatzsicherung.

Was wünschen Sie sich in Karlsruhe, was es noch nicht gibt?

Ich wünsche mir bald weniger Baustellen. Das wird dauern und dann wird es uns allen besser gehen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Karlsruhe, Juni 2013