Köpfe der Region


Interview mit Dieter Huthmacher

Kaberettist und Liedermacher


Dieter Huthmacher, geb. 1947 in Pforzheim, Ausbildung als Graphiker und Bildender Künstler. 1977 mit dem Stipendium Villa Massimo, Rom, ausgezeichnet, seitdem zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

Seit 1970 tritt Dieter Huthmacher als Liedermacher und Kabarettist auf, war über 20 Jahre erfolgreich als "Die Huthmachers" zusammen mit der Sängerin Karin Oehler, arbeitet seit 2000 mit großem Erfolg seine Soloprogramme u.a. über "Hermann Hesse" oder "Till Eulenspiegel", ist Mitglied der Europ. Autorenvereinigung "Die Kogge" und Gastdozent an der IB-Hochschule in Stuttgart.

2004 Preisträger beim Sebastian-Blau-Preis für Liedermacher, gewann er jeweils 2005 und 2007 den Mundart-Liedermacherwettbewerb des Arbeitskreis Heimatpflege Regierungspräsidium Karlsruhe und ist seit 2007 regelmäßig als "Gutsele"-Autor beim Badenradio zu hören.


http://www.dieter-huthmacher.de


Karlsruhe, Mai 2011

Woran arbeiten Sie gerade?

Derzeit arbeite ich an der Weiterführung meines Mundart-Bühnen-Programms, welches sich über "Guck" nach "Dahoim" und jetzt "Querbeet" ausbreitet. Themen, Texte, Lieder die das Heimatgefühl auf eine etwas andere Art beleuchten: mal fröhlich und vergnügt, dann wieder nachdenklich oder poetisch-malerisch mit dem Begriff "Heimat" spielen.
Da ich als Pforzheimer im Grenzgebiet Badisch-Schwäbisch lebe, kommt bei mir ein "Zwischendrin-Aspekt" zum Tragen – mal Badisch und mal Schwäbisch mehr ausgeprägt. Da ich lange Jahre in einem schwäbischen Tal lebte, seit nunmehr 10 Jahren wieder in Pforzheim, merke ich, wie sich der Duktus der Sprache langsam ändert und es nach dem etwas aufgeregteren Schwäbisch mehr und mehr betulich Badisch zugeht, wobei ich in meinen Programmen mit einem überall verständlichen Hoch-Schwäbisch arbeite. Vor allem ist meine Bühnenarbeit mit viel Humor gewürzt, ohne den kein Lied und kein Text auskommt.

Sie malen, Sie singen, Sie machen Holzschnitte. Wie haben Sie Ihre vielfältigen Talente entdeckt und was machen Sie am liebsten?

Schon während meines Graphik- und Malerei-Studiums schrieb ich erste Lieder und Texte und bekam die Möglichkeit, bei Gisela May, der berühmten Schauspielerin und Diseuse in Weimar bei Internationalen Musikseminaren zu studieren und meine Bühnenpräsenz und Interpretation meiner Lieder zu erarbeiten und zu festigen. Die Verbindung Malerei – Lied oder Karikatur – Text war bei mir immer schon Ausdrucksgrundlage und eng miteinander verbunden.
Mir war immer wichtig, zu zeigen, dass die künstlerische Haltung und das Erlernen des Handwerks nur die Grundlage ist und die Wahl des Genres lediglich von persönlichen Neigungen abhängt. Heute gebe ich in Seminaren (Kunst machen) an der IB-Hochschule in Stuttgart an junge Kunsttherapeuten weiter, wie eng die Künste miteinander verwoben und verknüpft sind.
In meiner Galerie in Pforzheim steht eine alte Handpresse, auf der ich meine Holzschnitte drucke, zu Hause habe ich meinen Platz, Karikaturen für Zeitungen oder Buchillustrationen zu zeichnen und dann, unterm Dach, dem wichtigsten Platz, entstehen meine Lieder und Texte zu den einzelnen Programmen.

Mit welchen Schwierigkeiten kämpfen Sie?

Ich kämpfe wie jeder professionelle Künstler, der von seiner Kunst lebt, damit, mein Brot mit der Kunst zu verdienen. Das ist nicht einfacher geworden seit den nun schon 40 Jahren, seitdem ich von der Kunst lebe.
Die Tatsache, so gut wie keine breite Medienpräsenz zu haben, macht die Arbeit mit Veranstaltern nicht einfacher, deshalb bin ich stolz und freue mich darüber, seit einiger Zeit regelmäßig im Badenradio als Mundartautor präsent zu sein. Dadurch erschließt sich mir ein neues, auch anderes Publikum, welches nicht unbedingt sowieso in Kleinkunstbühnen anzutreffen ist.

Was war Ihr größter Erfolg?

In der Bildenden Kunst sicherlich die Auszeichnung schon 1976 mit dem Stipendium Villa Massimo in Rom. Für meine Liedprogramme gab es schon einige regionale und überregionale Preise und Anerkennungen. Den Erfolg schätze ich am meisten, wenn nach einem Konzert Besucher freudestrahlend zu mir kommen und sich für den Abend bedanken.

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe und der Region?

Da ich gerne genieße und es in unserer Gegend ausgeprägt schöne Ortschaften zum bewandern oder mit dem Rad anzufahren gibt, auch wunderbare Gastwirtschaften, wo es gut ist, einzukehren, lebe ich gerne in der Region. Ich habe außerdem den Eindruck, dass, je näher wir dem Elsass kommen, es umso unaufgeregter wird. Ich bin bodenständig im baden-württembergischen Denken und ziehe keine Grenzen. Da kann es sogar sein, dass ich das Badisch-schwäbische Lebens-Element noch in den Tiefen der Schweizer Berge oder dem flachen Land Richtung Nordseewellen ausmache.

Was wünschen Sie sich, was es hier noch nicht gibt?

Wenn ich von meinem beruflichen Hintergrund ausgehe, leben wir im Vergleich zur Mitte und zum Norden unseres Deutschlandes hier in Baden-Württemberg in einer sehr kleinkunstinteressierten Gegend – in fast jedem Ort tun sich in den letzten Jahren Auftrittsmöglichkeiten auf, die abseits der allseits bekannten Fernsehgeschichten und ausgetretenen Pfade ein Stück Kultur direkt zu den Leuten bringt. Dass dieses "Öffnen" noch mehr geschieht, dass man sich als Künstler neben anderen Ausdrucksmöglichkeiten, wieder mehr besinnt, in der Mundart zu sprechen und zu singen, die hier noch tagtäglich gesprochen wird (so lange sie noch gesprochen wird), das Authentische zu erhalten, was auch den Menschenschlag geprägt hat, der hier lebt, dieses wünsche ich mir. Es ist mir ein Anliegen geworden, den etwas knitz-zurückhaltenden Humor im Lied und Text festzuhalten, als ein Stück Lebensqualität unseres Badisch-schwäbischen Grenzgebietes.

Vielen Dank für das Gespräch.


Karlsruhe, Mai 2011