Köpfe der Region


Interview mit Erik Rastetter


Geboren in Karlsruhe, aufgewachsen im Kraichgau. Ausbildung zum Chemielaborant. Studium der Literaturwissenschaft (Magisterabschluss), Schauspielunterricht. Freischaffend als Schauspieler, Kabarettist, Dramaturg und Regisseur. Mit Martin Wacker als Duo rastetter & wacker bekannt.

Als Schauspieler derzeit am Sandkorn-Theater, am Kammertheater Karlsruhe und am Theater Ravensburg zu sehen. Hörspielsprecher (SWR, Radio Bremen, NDR), Fernsehrollen u. a. "Tatort", "Die Fallers", "Kinderärztin Leah", "Olis Wilde Welt". Texter für Disney-Comics (Egmont Ehapa Verlag Berlin).


http://www.rastetter-wacker.de


Karlsruhe, April 2010

Woran arbeiten Sie gerade?

Ganz aktuell bereite ich die Texte für eine szenische Lesung mit dem Arbeitstitel "Grimmige Märchen – ab 18!" vor. Sie wird im Juli an drei Terminen von zwei Schauspielkollegen und mir im Sandkorn-Theater gezeigt.
Außerdem stecke ich in den Vorplanungen für meine nächste Regie. Im Juli und September inszeniere ich – ebenfalls am Sandkorn – den Krimi "Tannöd", Premiere wird Mitte Oktober sein. Was rastetter & wacker betrifft, so laufen ja auch schon die ersten Schritte zum nächsten Programm an. Derzeit brüten wir noch über dem Schwerpunktthema, also dem roten Faden, der alles zusammenhält. Bis Frühsommer wird sich das wohl herauskristallisiert haben. Voraussichtlich im Januar wird das Ganze dann das Licht der Bühne erblicken. Und damit es uns nicht langweilig wird, schieben wir im Herbst noch einen Robert-Gernhardt-Abend ein.

Wie kamen Sie zur Theaterarbeit?

Durch das Theaterstück "Der Wolf und die sieben Geißlein", damals im Kindergarten. Obwohl ich rückblickend sagen muss, dass ich da als böser Wolf eher eine Fehlbesetzung war, hat mich seit diesem Urerlebnis der Gedanke beseelt, dass ich zum Theater will. Dieser Wille war so stark, dass ich diesem Ziel, trotz ein oder zwei Umwegen, treu geblieben bin.
In der Schulzeit war ich sicher einer, der in den Pausen zur allgemeinen Belustigung beigetragen hat. Dabei war das nur ein Reflex auf meine damalige immens große Schüchternheit, sozusagen wie eine Tarnung dafür. Nach Schultheater und verschiedenen Amateurgruppen entschloss ich mich, Theater und Kultur zum beruflichen Mittelpunkt zu machen, was bis heute auch ganz gut geklappt hat.

Sie arbeiten in verschiedenen kulturellen Bereichen, wie kommt das?

So genau weiß ich das auch nicht. Ich kann nur sagen, dass meine Neugier auf alles was mit Theater, Film, mit Kunst überhaupt zu tun hat, schon immer groß war. Meine Interessen haben sich nie auf einen Aspekt alleine, also z. B. ausschließlich die Schauspielerei bezogen. Ich fand es schon immer spannend, wie so ein Theaterstück vom Anfang bis zur Premiere entsteht, vom Text über die Proben bis zum Bühnenbild und den Einsatz von Licht und Ton. Ich stehe wirklich sehr gerne auf der Bühne, beispielsweise in der Konstellation rastetter & wacker oder aktuell in der Produktion "Nur für Frauen" am Kammertheater Karlsruhe und am Theater Ravensburg.
Aber es reizt mich eben auch sehr, Ideen und Texte zu entwickeln. Das finde ich ja auch in der Zusammenarbeit mit Martin Wacker sehr schön. Unsere Programme schreiben wir alle selbst. Und so gesehen ist es vielleicht nicht so abwegig, auch mal auf den Regiestuhl zu wechseln. Inzwischen habe ich vierzehn Produktionen inszeniert, viele davon am Sandkorn-Theater, aber auch einige freie. Als Regisseur kann man bis zu einem gewissen Grad eine ganz eigene Welt kreieren. Da darf man sozusagen noch mal in den Sandkasten und fantastische Szenarien erschaffen. Das ist zwar eine sehr intensive und in Detailfragen manchmal auch eine nervenaufreibende Arbeit, doch unterm Strich ist das für mich meist eine sehr abwechslungsreiche und befriedigende Erfahrung. Das hängt natürlich auch immer davon ab, ob man ein Schauspielerensemble anspornen kann bzw. was da an kreativen Impulsen zurückkommt. Wenn das richtige Team beisammen ist, dann werden die Probenwochen zu einer spannenden Reise für alle.
Das Duo rastetter & wacker gibt es seit 1995. Was ist das Geheimnis einer so langen Zusammenarbeit?

Ein Zeitungskritiker hat uns mal augenzwinkernd als "altes Ehepaar" bezeichnet. Ja, es ist schon erstaunlich, dass wir im fünfzehnten Jahr als Duo zusammenarbeiten. Vor dieser Duo-Zeit waren wir beide bereits als treibende Kräfte in mehreren Kabarett-Produktionen des Sandkorn-Theaters dabei. Zum allerersten Mal standen wir 1988 in dem Stück "Die Lasterhaften" von Franz Hohler zusammen auf der Bühne. Das ist eine Ewigkeit her!
Wie das geht? Ohne eine große freundschaftliche Basis wäre es sicher nicht denkbar. Und es liegt zu einem großen Teil an vielen gemeinsamen Interessen. So sind wir beispielsweise beide große Fans von Laurel & Hardy und kennen so ziemlich alle Filme der beiden in- und auswendig. Auch Donald Duck spielt in unserer beiden Leben eine gewisse Rolle. Wir beide mögen die Geschichten des Autors und Zeichners Carl Barks sehr. Das ist der Erfinder von Entenhausen, der auch den geizigen Onkel Dagobert, den verrückten Daniel Düsentrieb und die Panzerknacker ins Spiel gebracht hat. Während Martin inzwischen akribisch eine Donald-Figurensammlung mit Hunderten von Objekten aus sieben Jahrzehnten zusammengetragen hat, die ganze Vitrinen füllt, bin ich seit über zehn Jahren als Texter und Übersetzer für Disney-Comics tätig. Also, eine gewisse gemeinsame Humorlage ist da auf jeden Fall bei uns vorhanden. Ohne die könnten wir uns ja nicht zusammensetzen und einfach so drauflos spinnen, um Szenen zu entwickeln. Manchmal läuft das so gut, dass wir an zwei Tagen das halbe Bühnenprogramm entwickeln.
An der Stelle muss ich aber auch eine Lanze für unsere langjährige Regisseurin Steffi Lackner brechen. Zum einen hat sie uns damals ermuntert, den Schritt hin zum Duo auszuprobieren. Zum anderen steuert sie im Entstehungsprozess und bei den Proben sehr viel kreativen Input bei. Wir sagen immer, sie ist in diesem Duo die unsichtbare Dritte. Dass die Zusammenarbeit nun schon so lange funktioniert liegt wohl auch daran, dass wir trotz der gemeinsamen Projekte und der vielen bisherigen Bühnenauftritte (es müssen ca. 1.500 bis 1.600 sein) jeweils noch andere Tätigkeitsbereiche haben. Außerdem führt ja auch jeder noch sein eigenes Privatleben.

Welche Aufgaben würden Sie für die Zukunft noch reizen?

Ich möchte mehr im Bereich Film und Fernsehen machen. Das eine oder andere Mal konnte ich in der Vergangenheit meine Nase schon in die Kamera halten, z. B. bei "Tatort"-Produktionen und etlichen Streifen der Filmakademie Baden-Württemberg. Das möchte ich gerne intensivieren, ist aber, wie jeder weiß, der in der Branche zu tun hat, nicht so einfach. Es gibt die Idee, es mal von der anderen Seite her zu probieren, mit einem Drehbuch. Das werde ich unbedingt machen, weil ich einfach gerne Geschichten entwickle. Es ist natürlich auch ein Thema, dass rastetter & wacker endlich ihren Weg ins Fernsehen finden. Möglicherweise schaffen wir das noch vor der Rente ?

Danke für das Gespräch.


Karlsruhe, April 2010