Köpfe der Region


Interview mit Hans Rüdiger Kucich

Schaupieler und Regisseur


Seit 1983 ist Kucich festes Ensemblemitglied am Kammertheater Karlsruhe als Schauspieler und Regisseur. Auf der Bühne stand er in über 200 Stücken vom Klassiker bis zur Moderne.

Kucichs Repertoire reicht vom Karl Moor in "Die Räuber" oder vom Scappino in "Die Schelmenstreiche des Scappino", vom Drama bis zur Klamotte, von der Comedia del Arte bis zum Psychokrimi.

Als Regisseur inszenierte er ca. 40 Theaterstücke, spielte in zwei Kinofilmen und einigen Fernsehproduktionen mit, gab seine Stimme vielen Hörspielen und schrieb zwei erfolgreiche Theaterstücke.


http://www.kucich.de


Sie sind Schauspieler und Regisseur. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Beruf zu ergreifen?

Der Beruf kam zu mir. Die Begegnung mit einem Laientheater löste bei mir diesen Berufswunsch aus.

Wie war der Anfang? Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen?

Mein bayerisch-badischer Dialekt war die schwierigste Hürde auf dem Weg zur hochdeutschen Aussprache. Da halfen nur Fleiß und tägliche Sprechübungen.

In vielen Stücken treten Sie in mehreren Rollen auf. Wie schaffen Sie es nur, sich all die Texte zu merken und zwischen den teilweise doch sehr unterschiedlichen Typen zu wechseln?

Sich den Text zu merken ist Fleiß und Übungssache. Ich bin überzeugt, dass das jeder kann. Aber das Wechseln der Typen, bzw. das Hineinschlüpfen in die unterschiedlichen Charaktere ist zum einen Talent (das kann man nicht lernen - das muss man haben) und zum anderen Freude an der Verwandlung.

Sie waren auch im TV und Film zu sehen. Unterscheidet sich die Arbeit sehr vom Theaterspiel?

Auf der Bühne musst du konzentriert coram publico deine Figur beweisen. Bei TV und Film musst du Szenen oder satzweise und den unterschiedlichsten Kameraeinstellungen arbeiten. Man sagt 10 Minuten Film sind 8 Stunden Arbeit. Zwischen den einzelnen Szenen verbringst du deine Zeit mit Warten, da die neue Szene z.B. einen neuen Ortswechsel hat und ausgeleuchtet werden muss etc..

Sie feiern im August 2013 ihr 30-jähriges Kammertheaterjubiläum und standen in über 200 Stücken auf der Bühne. Gibt es eine Lieblingsrolle, die Sie gerne noch mal spielen würden?

Nicht wirklich. Die Rollen, die ich gerade spiele, mache ich zu meinen Lieblingsrollen. Aber ich wollte schon immer, in einem Western, den Bösewicht spielen.
Sie haben fast 40 Stücke inszeniert, für Erwachsene und Kinder, vom Drama bis zum Schwank, und vom klassischen Märchen bis zum Modernen. Nach welchen Kriterien wählten Sie die Stücke aus und was hat Sie daran gereizt?

Ich habe immer versucht den Geschmack bzw. den Zeitgeist des Publikums zu treffen. Reizvoll an der Regiearbeit ist das Heranführen der Kollegen an die jeweiligen Charaktere und an den gesamten Bogen des Theaterstücks.

Seit 30 Jahren sind Sie festes, inzwischen sogar einziges festes Ensemblemitglied am Kammertheater. Was reizt Sie daran und was macht das Kammertheater so besonders?

Die Unterschiedlichkeit des Rollenangebotes stellt den größten Reiz für mich dar. Mit der neuen Intendanz, Bernd Gnann und Ingmar Otto, ist der Spielplan am Kammertheater wesentlich vielfältiger, abwechslungsreicher, transparenter, moderner und niveauvoller geworden.

Welchen Rat können Sie jungen Kollegen und Kolleginnen geben, die von einer Schauspiel- oder Regisseurkarriere träumen?

Bodenständig und ehrlich seinen Beruf ausüben.

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe und was zeigen Sie Ihrem Besuch?

Die Übersichtlichkeit Karlsruhes. Schnell ist man mit dem Rad oder der Straßenbahn im Grünen. Die Nähe zum Schwarzwald und zu Frankreich. Etliche Sehenswürdigkeiten und ein reichhaltiges Kulturangebot hat Karlsruhe zu bieten. ZKM, Kunsthalle, div. Galerien, Museen. Musik, Kabarett und Theater. Vom Figuren-, Laien-, Amateur-, Privat- und Staatstheater (ich glaube insgesamt 12 Bühnen) ist für jeden was zu dabei. Es gab mal den Slogan "Karlsruhe kennen Karlsruhe lieben"! Bei mir ist das auf jeden Fall so.

Was wünschen Sie sich, was es noch nicht gibt?

Das jeder auf diesem Planeten in Liebe, Frieden und ohne Not leben kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Karlsruhe, 12.04.2013