Köpfe der Region


Interview mit Marko König

Das eigene Unternehmen zum interessantesten Platz der Welt machen


Marko König wurde 1969 in Pforzheim geboren. Nach einer Ausbildung zum Isolierblechner besuchte er mit 18 Jahren eine Filmstuntschule.

Danach schloss sich eine Karriere als Stuntkoordinator, Eventmanager und zertifizierter Trainer an. Seitdem hat er mit seinem Team nicht nur bei verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen mitgearbeitet, sondern gibt auch Trainings und Management-Seminare zum Thema Motivation, Risikoanalyse, Umgang mit Stress, Ängsten oder Widerstand.

Ein besonderes Anliegen von Marko König ist seine Arbeit im Rahmen seiner Initiative "Projekt Gewaltprävention", das sich an Kinder und Jugendliche richtet.

Marko König lebt heute in Karlsruhe und Köln.


http://www.markokoenig.de/


Herr König, vom Hauptschüler und Isolierblechner zum Stuntkoordinator und Management-Trainer - wie geht das?

(lacht)Schon als Kind haben mich Filme fasziniert. Wenn die Eltern im Bett waren, bin ich heimlich zum Fernseher geschlichen und habe mir Filme aus Hollywood angeschaut, mit Buster Keaton oder Jean Paul Belmondo. Da wollte ich hin - das war mein Traum. Aber wie es vielen Menschen mit Träumen geht: man klopft dir auf die Schulter und sagt lächelnd: "Ja, ja, dann mach mal..." Wie viele andere Eltern hatten auch meine Probleme mit den Träumen und Vorstellungen ihrer Kinder.

Dann sind Sie mit 18 auf einer Münchner Filmstuntschule aufgenommen worden...

Ja, und ich hatte schon wieder neue Ziele vor Augen. Ich wollte z.B. mit "Schimanski" Götz George drehen - und in internationalen Filmen.

Und das hat geklappt?

Ja! 1997 habe ich mit George in dem Tatort "Blutsbrüder" gespielt - als direkter Gegenspieler von Götz George und des heutigen Oskarpreisträgers Christoph Waltz. Meine Actionszenen wurden im MTV- Video "Blue Café" von Chris Rea eingebaut. Und 2001 war ich bei der internationalen Hollywood-Produktion "Buffalo Soldiers - Army go home" mit Joaquin Phoenix, Ed Harris, Scott Glen und Anna Paquin als deutscher Filmstuntkoordinator verantwortlich und stellte die Stuntcrew. Einige Szenen dieses Films wurden übrigens in Karlsruhe und Jockgrim gedreht.

Was treibt Sie an?

Jack Welch, der ehemalige Chef von General Electric, hat einmal gesagt: "Du musst aus deinem Unternehmen den interessantesten Ort der Welt machen."

Sie stehen sogar im Guinness-Buch der Rekorde.

Ja, darauf bin ich sehr stolz. Das war schon 1992, ich war gerade 23, auf dem Hockenheimring. Da habe ich auf dem Dach eines 911er Porsche eine Hochgeschwindigkeitsfahrt ohne jegliche Sicherung oder Haltegriffe gemacht.
Sie engagieren sich aber auch gesellschaftlich...

Mir liegt die Initiative Projekt Gewaltpräsentation sehr am Herzen, die wir 2006 in Karlsruhe gegründet haben. Da gehen wir z.B. mit unserem Stunt-Team in Schulen oder Heime, direkt zu Kindern und Jugendlichen, und führen unsere Stunts vor, Kampfszenen, Sachen mit Feuer usw., so wie sie das aus Filmen oder PC-Spielen kennen.

Was bezwecken Sie damit?

Wir zeigen den Jugendlichen, dass diese Gewalt nur "gespielt" ist, nichts Reales, ein umgesetztes Drehbuch, mehr nicht. Damit nehmen wir die Schärfe raus, zeigen ihnen, dass die Realität anders ist, kommen mit ihnen ins Gespräch über ihre Nöte und Träume. Und da wir quasi "vom Fach" sind, kommen wir bei ihnen an, können sie aufschließen und ihnen vielleicht andere Perspektiven aufzeigen.

Es gibt so viele Probleme heute: Sehen Sie ein Projekt wie Stuttgart 21. Da werden Milliarden ausgegeben, und gleichzeitig den Bedürftigen die Gelder gekürzt, Büchereien und Schwimmbäder geschlossen. Oder die Rente mit 67. Das regt die Menschen auf, sie fühlen sich ein Stückweit vergewaltigt, man trifft Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg. Das macht die Menschen wütend - nicht nur Kinder und Jugendliche.

Wären Sie dann in der Politik nicht besser aufgehoben?

Nein, sicher nicht. Abgesehen davon, dass ich mich bei keiner Partei rundum aufgehoben fühle - ich bin nicht unpolitisch aber unparteiisch. Ich bin seit 20 Jahren ein Medienmensch, hier kann ich tun und lassen, was ich für richtig erachte und werde nicht bevormundet. Das ist einfach mein Ding.

Viele Menschen ärgern sich, unternehmen aber nichts...

Mein persönlicher und mir sehr wichtiger Leitfaden heisst, "Ich fange da an wo andere aufhören und mache das scheinbar Unmögliche möglich." Das ist meine Motivation, die ich in meinen Vorträgen als Motivations- und Mentaltrainer in Unternehmen und Managerseminaren weiter geben darf.

Ich habe viele Träume in meinem Leben und das große Glück, davon auch vieles umsetzen zu können. Als gläubiger Mensch empfinde ich hier eine große Dankbarkeit. Und von meinem Glück möchte ich der Gesellschaft zumindest ein kleines Stück zurückgeben. Was ist schöner als in glückliche Kinderaugen zu schauen?

Herr König, herzlichen Dank für dieses Gespräch.


Karlsruhe, November 2010