Köpfe der Region


Klaus Ackermann

Informatiker, Hobby-Musiker, Second-Hand-Buchhändler


1960 im unterfränkischen Miltenberg/Main geboren, lebt er bereits seit 30 Jahren in Karlsruhe. Nach den beiden FH-Studienabschlüssen in Vermessungswesen und Informatik sowie anschließenden Tätigkeiten im IT-Bereich war er auch immer auf der Suche nach einer zusätzlichen Herausforderung jenseits der Welt der Computer und der Technik. Als Schlagzeuger und Gitarrist spielte er in verschiedenen Bands, am liebsten Rock'n'Roll und Rockabilly. 2003 eröffnete er in der Karlsruher Oststadt zusammen mit einem Freund, dem Physiker Thomas Stieber, das A&S Bücherland, einen großen Second-Hand-Buchladen, der mit seinem etwas anderen Konzept schnell sehr gut von den Karlsruher Leseratten angenommen wurde.


http://www.buecherland.de


Sie haben sich Ihren Traum vom eigenen Antiquariat erfüllt. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Die Idee entstand bei einem Besuch in der Schweiz, wo mich meine dort lebende Freundin Melanie in einen riesengroßen Second-Hand-Buchladen mitnahm, aus dem ich nach dem ersten Besuch mit einem Stapel toller Bücher für wenig Geld ganz begeistert herauskam. Die Idee, so etwas einmal in Deutschland umzusetzen, war geboren und nach einigen Tagen Bedenkzeit machte ich meinem Freund Thomas den Vorschlag, das zusammen mal zu versuchen.

Was ist das Besondere am A&S Bücherland?

Wir verstehen uns nicht als klassisches Antiquariat, sondern als Second-Hand-Buchladen, wo wirklich jeder was findet, der lesen kann. Das Besondere dabei ist die enorme Größe, welche unsere Kunden, die zum ersten Mal den Laden betreten, immer wieder in Erstaunen versetzt. Weiterhin unsere Preise, die zu ca. 98% nach einem leicht durchschaubaren Schema zwischen 1.- und 4.- Euro liegen. Die restlichen ca. 2% sind sehr gut erhaltene, etwas höher ausgezeichnete Bücher und auch ein paar antiquarische Raritäten. Und schließlich nicht zu vergessen ist die angenehm ruhige Atmosphäre des Ladens, die zum Schmökern und Versinken in die Welt der Bücher geradezu einlädt.

Welche Schwierigkeiten gab und gibt es bei der Umsetzung?

Das Risiko, einen entsprechend großen Laden anzumieten, war relativ hoch und es erforderte einigen Mut, das Projekt anzugehen. Doch gemeinsam mit Thomas, der schon einige Erfahrung in selbständigem Unternehmertum und Betriebswirtschaft mitbrachte, fiel die Entscheidung für den Start und alle weiteren Schritte wesentlich leichter. Als fachfremde Techniker hatten wir einiges im Bereich Buchhandel dazu zu lernen, aber nach nun fast 8 Jahren haben wir uns das nötige Fachwissen erarbeitet.
Nach welchen Gesichtspunkten sortieren Sie die Bücher?

Die über 40.000 Bücher sind zunächst grob nach 40 verschiedenen Sachgebieten sortiert. Die größte Abteilung sind die Klassiker und die Belletristik, die auch z.T. alphabetisch sortiert sind. Eine genaue alphabetische Sortierung innerhalb der Abteilungen ist bei dieser Menge nicht möglich, aber so es ist für die Kunden immer wieder spannend, besondere Bücher oder Raritäten in den Regalen zu finden. Wir nehmen gern alle ausrangierten Bücher an, allerdings nur als kostenlose Spende. Dafür sind unsere Preise eben auch unschlagbar günstig.

Machen Sie auch Events im Laden?

Ja, von Anfang an haben wir versucht, den Laden ab und zu auch abends zu beleben. Wir veranstalten aber nicht selbst, sondern stellen die Räumlichkeiten zur Verfügung, wobei wir bis ca. 50 Sitzplätze anbieten können. Jeder kann, wenn er möchte den Laden für eine Veranstaltung anmieten. Meist finden bei uns Lesungen mit oder ohne musikalische Begleitung statt (ein Flügel ist inzwischen vorhanden).

Gibt es weitere Träume?

Bei mir im Moment nicht. Das Bücherland neben meinem Informatik-Job am Laufen zu halten lässt keinen Platz für neue Pläne. Aber ich liebe die Abwechslung auch im Beruf und kann mir durchaus vorstellen, irgendwann mal wieder etwas ganz anderes zu machen.

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe?

Ursprünglich hatte ich vor, für mein Studium 4 Jahre in Karlsruhe zu verbringen, daraus sind inzwischen 30 geworden. Karlsruhe hat für mich die richtige Größe, das kulturelle Angebot ist ausreichend und doch ist noch alles überschaubar. Außerdem besitze ich kein Auto, fahre gern Straßenbahn (auch unter den z.Zt. erschwerten Bedingungen) und Fahrrad. Die Stadt ist für mich mit den Jahren meine Heimat geworden.

Was zeigen Sie Ihrem Besuch?

Ich glaube, dass ich inzwischen ein ganz annehmbarer Karlsruher "Stadtführer" bin. Neben den Highlights Schloss, Turmberg, ZKM, Kunsthalle, Tollhaus usw. zeige ich natürlich auch die schönen, versteckten Plätze, die es in KA reichlich gibt. Und zum Abschluss jeder Stadtführung gehts natürlich ins A&S Bücherland zum Schmökern.

Vielen Dank für das Gespräch.



Im März 2011