Köpfe der Region


Marco Umfahrer

Diplom-Wirtschaftsingenieur, Unternehmer


Marco Umfahrer, 27 Jahre, studierte Wirtschaftsingenieurswesen am KIT und schloss dieses 2008 erfolgreich ab. Neben verschiedenen Praktika, u.a. in England beim Formel 1 Team McLaren Mercedes, war er während des Studiums bei der studentischen Unternehmensberatung delta aktiv. Dort konnte er bereits erste Erfahrungen als Unternehmer sammeln, da er als Vorstand Public Relations für die Vermarktung von delta zuständig war und erfolgreich bei verschiedenen Beratungsprojekten externe Kunden beraten hat. gloveler gründete er bereits während des Studiums mit seinen Kommilitonen Armin Harbrecht und Andreas Sperber.


http://www.gloveler.de


Sie betreiben eine Plattform, auf der jeder kostenlos eine private Unterkunft anbieten kann. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Die Idee entstand im Sommersemester 2007 während eines Projektes am KIT. Die Aufgabe in dem Seminar war es einen Business Plan zu einer eigenen Geschäftsidee aus dem Bereich Wissensgesellschaft zu verfassen. Da wir alle gerne verreisen, lag die Idee zu gloveler nicht fern. Dabei stellten wir uns oft die Frage: Warum muss man entweder in teuren anonymen Hotels oder wenn es günstig sein soll in Mehrbettzimmern in Jugendherbergen übernachten? Es muss doch auch etwas dazwischen geben, bei dem man mehr Kontakt zu Land und Leuten hat und dennoch günstig ist. So war die Idee zu gloveler (Kunstwort aus GLObal traVELER) geboren. Am Ende des Seminars stand dann die Teilnahme an einem Businessplan-Wettbewerb, den wir gewonnen und bei dem wir sehr gutes Feedback erhalten haben. Im Anschluss haben wir noch während unseres Studiums die Idee weiterentwickelt und daran gearbeitet.

Gute Ideen haben viele. Aber wie setzt man so etwas um? Welche Schwierigkeiten gab es dabei?

Das Wichtigste ist, es einfach zu tun. Es gibt in der Tat so viele Ideen, aber nur die wenigsten setzen diese wirklich um. Bedeutend ist auf jeden Fall, sich genaue Gedanken zu seiner Idee zu machen und einen Business Plan aufzustellen. Man befasst sich in diesem mit dem Markt und dem eigentlichen Geschäftsmodell und kann so bereits zu Beginn Schwierigkeiten erkennen und Lösungen dafür entwickeln. Die Schwierigkeit bei einem Geschäftsmodell wie unserem ist, dass es erst entwickelt werden muss und somit in den ersten Monaten keine Umsätze generiert werden können. Diese Zeit muss aber entsprechend finanziert werden. Als Absolvent direkt nach dem Abschluss des Studiums sind meist wenige Reserven vorhanden. Doch es gibt Förderungen und Stipendien für Existenzgründer und man kann sich aus Gewinnen von Businessplan-Wettbewerbern ganz gut zu Beginn finanzieren. Dies half uns in der Anfangszeit gloveler zu entwickeln und in die Tat umzusetzen.

Es gibt immer mehr Singles, die mit der Zimmersuche nach ihrem Modell zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können. Sie sparen den teuren Einzelzimmerzuschlag und können gleichzeitig Kontakt bekommen. Meinen Sie, Ihre Idee wird sich in großem Stil durchsetzen und Hotels Konkurrenz machen?

Wir sehen uns nicht als direkte Konkurrenz zu Hotels. In privaten Unterkünften zu übernachten ist eher eine Ergänzung zum derzeitigen Angebot. Zum einen werden soziale Kontakte gefördert und man kann bei einer Reise "Land & Leute" kennenlernen sowie von Insider-Tipps profitieren, was bei einem Aufenthalt in einem Hotel eher schwierig ist. Zum anderen bieten Privatunterkünfte besonders bei großen Veranstaltungen oder Messen eine echte Alternative bzw. Ausweichmöglichkeit, wenn alle Hotels ausgebucht oder die Preise erhöht wurden. Dies impliziert die Entlastung der Touristik-Branche durch zusätzliche private Unterkunftsangebote und das zu einem günstigen Preis für den Mieter. Durch gloveler können private Unterkünfte so einfach gefunden und gebucht werden wie ein Hotelzimmer, was diese Übernachtungsform zur einer echten Alternative für Hotels macht.

Die Vermieter wissen ja nicht, wer vor ihrer Tür steht. Ist die Gefahr nicht da, dass jemand das Mobiliar beschädigt, etwas stiehlt oder ausspioniert, was es hier zu holen gibt?

Bereits vor einer Buchung können Vermieter und Gast miteinander in Kontakt treten, wodurch der Vermieter bereits im Vorfeld entscheiden kann, ob er den jeweiligen Gast bei sich aufnehmen möchte oder dieser unsympathisch erscheint und er die Buchung nicht annimmt. Des Weiteren kann jeder Vermieter selbst entscheiden, ob er z.B. eine Kaution vom Gast haben möchte. Zudem empfehlen wir dem Vermieter sich bei der Ankunft des Gastes einen Ausweis zeigen zu lassen, damit dieser kontrollieren kann, ob dies mit den Daten der Buchung übereinstimmt, da der Gast durch die Bezahlung eindeutig identifiziert ist. Somit sind die Risiken sehr gering.
Und umgekehrt könnte natürlich auch etwas passieren. Gibt es einen Schutz für Mieter? Zum Beispiel für allein reisende Frauen, die bei einem Mann übernachten?

Da der Mieter zu jeder Zeit in Kontakt mit dem Vermieter treten kann, kann man sich bereits im Vorfeld ein Bild machen. Des Weiteren bietet gloveler eine Bewertungsfunktion, die es den Gästen ermöglicht die Unterkunft nach einer Reise zu bewerten. So kann sich ein Interessent einen Eindruck von der Unterkunft und dem Vermieter machen.

Bei Ihnen bieten ja Studenten Zimmer an, ältere Damen, die sich über jedes Gespräch freuen, oder Familien, die während einer Messe ihre Wohnung räumen. Wie gestaltet sich das praktisch mit der Schlüsselübergabe und Zahlung?

Oft werden Zimmer oder Sofas in der Wohnung angeboten, in denen die Vermieter selbst wohnen. Somit ist die Schlüsselübergabe und auch die Bezahlung in bar vor Ort kein Problem. Bei Ferienwohnungen gibt es meist eine Schlüsselübergabe zu Beginn der Reise. Es gibt aber auch Agenturen, die die komplette Abwicklung vor Ort für die Eigentümer der Objekte übernehmen. Mit solchen Agenturen arbeiten wir ebenfalls zusammen, da wir diesen die Abwicklung durch unsere Softwarelösungen erheblich erleichtern. Die Bezahlung selbst regeln jeweils Mieter und Vermieter selbst. In Zukunft wird gloveler aber auch die Abwicklung der Zahlung vornehmen, wodurch besonders bei ausländischen Gästen ein Mehrwert für beide Seiten entsteht, denn Auslandsüberweisungen sind teuer und unpraktisch für die Gäste. Bei gloveler kann man mit verschiedenen Zahlungsarten bezahlen wie z.B. Lastschrift, Kreditkarte oder PayPal.

Bekommen Sie Feedback, so dass sie aus den Erfahrungen der Vermieter und Mieter lernen und die Plattform optimieren können?

Ja, wir bekommen ständig Feedback von unseren Kunden. Dies liegt uns auch sehr am Herzen, weshalb wir auf der Webseite viele Möglichkeiten implementiert haben, um Feedback abzugeben. Nur durch Feedback kann man lernen und sich weiterentwickeln. Oft scheitern Start-Ups auch daran, dass sie ein tolles Produkt entwickeln, dies aber vom Markt nicht angenommen wird. Deshalb ist unsere Devise flexibel zu sein und uns an die Bedürfnisse unserer Kunden anzupassen, denn wir entwickeln ein Produkt für die Kunden. Selbstverständlich kann man nicht jeden einzelnen Wunsch erfüllen, da dadurch die Gefahr groß ist sich zu verzetteln. Ein konkreter Fall bei uns war, dass sich viele Vermieter gewünscht hatten, ihre Preise personenabhängig eingeben zu können. Zu Beginn hatten nur die Möglichkeit einen Unterkunftspreis anzugeben, nun gibt es beide Möglichkeiten. Durch diesen Schritt konnten wir noch mehr Vermieter von unserem Angebot überzeugen.

Sie leben nun schon seit einigen Jahren in Karlsruhe. Was gefällt Ihnen an dieser Region?

Karlsruhe ist besonders für uns als starke IT-Region interessant. Zudem gefällt mir die gute Anbindung und Infrastruktur von Karlsruhe. Mit dem Autobahndreieck kann man schnell größere Städte erreichen und auch ein Flughafen ist vor Ort. Für mich als Unternehmer ist zudem der Kontakt zur Universität (KIT) und das gute Unternehmernetzwerk, besonders durch das Cyberforum, wichtig. Der Erfahrungsaustausch hat für mich allgemein eine hohe Bedeutung, da man so hilfreichen Input erhält, sich austauschen kann und neue Ideen entstehen können. Karlsruhe selbst vereint durch die Lage und dem Aufbau zum einen die Vorteile einer größeren Stadt mit der schnellen Erreichbarkeit der Natur und schöner Landschaft, wie dem Schwarzwald, was ich besonders zum erholen und "Kopf frei bekommen" wichtig finde. Ich wohne wirklich gerne in Karlsruhe.

Was wünschen Sie sich, was es noch nicht gibt?

Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen den Mut haben zu Reisen und sich auf die Lebensweise und Kultur anderer Länder einzulassen, insgesamt offener werden. Dies ist eine Erfahrung, von der man ein Leben lang profitieren kann, und genau dies macht gloveler möglich. ;)

Vielen Dank für das Gespräch.