Köpfe der Region


Marion Landwehr


Marion Landwehr ist Journalistin und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Karlsruhe. Sie schreibt Bücher über Freizeitaktionen, dabei fasst sie Tipps, Attraktionen und Erlebnisse zusammen unter dem Motto "Mit Kindern unterwegs".

Mittlerweile ist ein ganz ansehnlicher Fundus an Freizeitratgebern weit über Karlsruhe hinaus entstanden. Das neueste Projekt führt die Autorin mit ihrer Familie nun auch zu entfernteren Zielen, nämlich auf die Mittelmeerinsel Korsika.




Karlsruhe, 18.02.2010

Sie sind Diplom-Journalistin. Wie kam es zu dieser Berufswahl?

Dafür ist mein Latein-Lehrer am Gymnasium verantwortlich. In der Oberstufe mussten wir immer die Texte, die wir vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt haben, anschließend interpretieren und kleine Erörterungen dazu schreiben. Meine Übersetzungen waren immer eine einzige Katastrophe. Aber meine deutschen Ausführungen dazu fand mein Latein-Lehrer klasse. Er meinte, mit einer solchen Begabung, aus nichts so schöne Texte zu formulieren, müsse ich Journalistin werden. Da ich schon immer gerne geschrieben habe und Deutsch meine Stärke war, fand ich das auch eine gute Idee. Bis zu diesem Vorschlag wollte ich eigentlich Tierärztin werden.

Wann haben Sie angefangen, für Kinder zu schreiben?

Schon in meiner Diplomarbeit habe ich mich mit Kindern und Medien beschäftigt und gemerkt, dass mir diese Kombination Spaß macht. Nach meinem Studium habe ich als Redakteurin beim Ehapa Verlag gearbeitet. Die Medien des Verlags richten sich an die junge Zielgruppe. Weil der Standortwechsels des Verlags nach Berlin während meiner zweiten Elternzeit eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses zur Folge hatte, habe ich vorübergehend den Bezug zu diesem Medienfeld verloren. Nachdem ich als Geschäftsführerin einen kleinen Verlag für Absolventen der Universität Karlsruhe geleitet habe, bin ich in die journalistische und fotografische Freiberuflichkeit gegangen. Auch hier schnell wieder mit dem Fokus auf Kunden, deren Produkte sich an Kinder und Jugendliche richten.



Wie kam es dann letztendlich dazu, auf Freizeit-Ratgeber umzusatteln?

Ich bin als Ersatzfrau für eine frühere Kollegin eingesprungen, die zuvor schon für den Companions Verlag geschrieben hatte, einen neuen Auftrag wegen ihres neugeborenen Säuglings aber nicht annehmen konnte. Der Verlag hat seinen Schwerpunkt auf Ferienregionen und größeren Städten, die abwechslungsreich und besonders interessant mit Kindern zu erkunden sind. In den Büchern sind Tipps für alle Altersstufen und Attraktionen enthalten, die man in der jeweiligen Stadt oder Region gesehen und erlebt haben muss. Bei diesem Auftrag habe ich gemerkt, dass diese Art Arbeit so richtig mein Tiefstes trifft.


Wie kamen Sie dann zu weiteren Aufträgen?

Da ich in Heidelberg geboren und in der Nähe aufgewachsen bin und nun schon einige Zeit mit Kindern in Karlsruhe lebe, wollte ich einfach mal diese bislang wenig beachtete Region professionell und unter dem Aspekt Kinderfreundlichkeit aufarbeiten. Die Verlage in diesem Bereich waren begeistert. In schneller Folge sind dann mein Wanderführer "Mit Kindern unterwegs – Kurpfalz und Kraichgau" vom Verlag Fleischhauer & Spohn und "Kraichgau mit Kindern" mit über 500 Aktivitäten zwischen Heidelberg, Karlsruhe und Heilbronn vom Peter Meyer Verlag entstanden. Dazwischen immer wieder Werke für den Companions Verlag.

An welche Altersklasse richten sich Ihre Bücher?

Meine eigenen Kinder sind jetzt neun und elf Jahre alt. Sie sind der Kern der Zielgruppe. Aber viele Tipps kann man schon mit Kleinkindern ab drei Jahren erleben. Und manches ist auch noch für 14jährige Teenager attraktiv. Die Spanne ist also groß, aber die hauptsächlich angesprochene Altersgruppe sind die Sechs- bis Zwölfjährigen.

Was genau macht denn Ihre Vorschläge für Kinder attraktiv?

Gerade wenn es um "Wandern" geht, sind Kinder nicht gerade begeistert. Man muss also eine Alternative suchen für stundenlanges Geradeausgehen. Jede Wanderung, die ich beschreibe, hat mindestens eine Attraktion. Entweder unterwegs oder als Ziel oder beides.
Das kann die Sternwarte unter freiem Himmel sein, die Klettereinlage, die höchsten Mut erfordert oder das Kinderprogramm im Biergarten hoch oben auf dem Berg. Diese Dinge zu finden und mit einer anspruchsvollen und für Kinder anregenden Wanderung zu verbinden, ist der Kniff an der Sache.

Und das funktioniert immer?

Immer! Wir hatten öfter auch andere Familien mit Kindern dabei. Manche Eltern haben vorab darauf hingewiesen, dass ihre Kinder freiwillig nicht mehr als 200 Meter am Stück laufen würden. Sie sind alle gelaufen! Kilometerweit. Und genau diese Kinder haben am darauffolgenden Wochenende wieder angerufen und gefragt, ob wir wieder einen großen Wanderausflug machen wollen.



Blieb es bei den Führern für den Freizeitbereich mit Kindern?

Nein. Mein ganzer Stolz derzeit ist ein "richtiger" Reiseführer für Erwachsene über den Südwesten der USA. Dort habe ich mit meiner Familie eine Individualreise gemacht. Es war ein irrsinniger Aufwand, die Route festzulegen, die Campgrounds zu reservieren, die Vorbereitungen zu treffen, sich zu informieren und zu vergleichen und zu schauen, was in welchem Zeitraum machbar ist. Da dachte ich, wieso soll man einen solchen Aufwand nur für sich selbst betreiben und andere haben auch so einen Stress – fasse ich das Ganze doch gleich als Reisebegleiter zusammen! Ich habe auf diese Weise den Südwesten, dieses himmlische Fleckchen Erde, noch um ein Vielfaches intensiver erlebt. Zum Einen, weil ich die Augen weit offen halten musste für meine Leser, zum Anderen, weil die Reise sehr gut vorbereitet war und wir an keiner Stelle ins Ungewisse fahren mussten. Denn das wäre bei einer so minimalen Infrastruktur, wie man sie dort teilweise vorfindet, schon mehr als Abenteuer. Und viele der Reisenden, die wir getroffen haben, hatten sich im Vorfeld total verschätzt und viel zu viele Kilometer abzufahren gehabt. Die waren mehr auf der Flucht als im Urlaub.


Und woran arbeiten Sie aktuell?

Mein derzeitiges Projekt ist "Korsika mit Kindern". Letztes Jahr haben wir schon zweieinhalb Wochen im Western und Inselinneren der "Insel der Schönheit" verbracht. In den Pfingstferien wollen wir wieder hin und uns diesmal den Norden und den Süden vorknöpfen. Man kann dort unglaublich tolle Wanderungen unternehmen. Aber auch sonst ist für Familien und vor allem Kinder viel geboten. Seien es die tollen Strände, der Schildkrötenpark, Ausritte durch die Berge oder ans Meer oder Baden an einsamen Flussabschnitten.


Wann schreiben Sie Ihre Bücher?

Mir stehen für diese eigentliche Arbeit hauptsächlich die Vormittage zur Verfügung, wenn die Kinder in der Schule sind. Das ist manchmal etwas wenig und erfordert ein diszipliniertes, aber deshalb effektives Arbeiten. Das gelingt mir am Heimarbeitsplatz ganz gut. Und die Kinder werden ja auch größer und selbständiger, so dass sie auch an den Nachmittagen nicht dauerbetreut sein müssen.


Wie gefällt Ihnen persönlich die Region?

Sie gibt wahnsinnig viel her. Ich betrachte ja nun sehr viel unter dem Aspekt, was man mit Kindern unternehmen kann. Da muss man klar sagen, dass weit über die Stadtgrenzen von Karlsruhe hinaus einiges geboten ist. Man muss nicht in den nahen Schwarzwald fahren, um die reine Natur zu finden. Man muss auch nicht in eine Großstadt wie Stuttgart fahren, um tolle Museen und kreative Angebote für Kinder zu finden. Es ist in Karlsruhe und Umgebung alles da, was man braucht und das Angebot bleibt dabei angenehm überschaubar. Mir kommt die Region manchmal noch etwas unauffällig vor, als stünde sie im Schatten von etwas Größerem. So ist das aber meiner Meinung nach überhaupt nicht, sie kann sich auch "alleine" sehen lassen.