Köpfe der Region


Matthias Falke

Science-Fiction-Autor


Matthias Falke wurde 1970 in Karlsruhe geboren.
Er studierte Musikwissenschaft, Literatur und Philosophie an den Universitäten Karlsruhe und Freiburg. Seit 1999 freier Autor, Übersetzer und Herausgeber. Bislang über 50 Buchveröffentlichungen.

Falkes Theaterstück "Kassandra-Szenen" wurde 2007 beim Ersten Autorenwettbewerb des Sandkorn-Theaters mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Falkes Erzählungen wurden mehrfach für den renommierten Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Seine Novelle "Boa Esperanca" erhielt 2010 den Deutschen Science Fiction Preis.

Falke lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Karlsruhe.


http://www.matthiasfalke.de


Karlsruhe, 09.10.2010

Woran arbeiten Sie gerade?

Heute morgen (5. Oktober) entstand eine Kurzgeschichte, um die ich von einem schweizer Think Tank gebeten wurde, in dessen Quartalszeitschrift sie demnächst erscheinen soll. Es geht darin um das Thema "Freiheit im 22. Jahrhundert". Mehr wird natürlich noch nicht verraten.

Eigentlich sitze ich aber an einer kleinen Werkbetrachtung über Nikolai Miaskowskys Sechste Symphonie, die im Rahmen meiner Reihe "Symphonische Monographien" erscheinen soll.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Während des Studiums nahm das Ausdrucksbedürfnis überhand. Da ich mich als Komponist nicht angemessen mitteilen konnte und da mir die Abfassung von "Sekundärliteratur" zu wenig war, fing ich nach und nach an, Kurzgeschichten und Novellen zu schreiben. Daraus sind bis heute immerhin 52 Buchveröffentlichungen geworden.

Was fasziniert Sie gerade an Science Fiction?

Science Fiction und verwandte Genres des "Fantastischen" geben mir die Möglichkeit, spekulative Gedankengänge, die ich sonst vielleicht in einem Aufsatz darstellen würde, in Bilder und Handlungen zu übersetzen. So reizte es mich weniger, eine Abhandlung über das Thema Einsamkeit zu schreiben, als vielmehr, die radikale Einsamkeit angesichts des Todes in einer Erzählung Erlebnis werden zu lassen, wie ich es in "Boa Esperanca" unternommen habe. Wo es um existentielle Fragen geht, finde ich abstrakte Herangehensweisen unbefriedigend, verglichen mit der Möglichkeit einer realen oder eben auch surrealen Ausgestaltung.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Aus dem dicken Leitz-Ordner, in dem ich Entwürfe, Exposés und literarische Projekte für die nächsten 20 Jahre auf Vorrat gesammelt habe.

Hier sind außerdem noch Bände über R. Strauss' Alpensinfonie und über die Symphonien von N. Burgmüller in Vorbereitung.
Dann will ich "Cawdor" von Robinson Jeffers zuende übersetzen; die Übertragung blieb im vergangenen Jahr nach etwa zwei Dritteln der Strecke liegen.
Anschließend kommen Reisebücher zu Tibet und Sizilien sowie über meine Elbrus-Besteigung vom letzten Juli. Nach der Winterpause muß ich mich dann ganz langsam an den nächsten TITAN-Roman machen, den ich nach Möglichkeit im Februar 2011 beim Verlag abliefern sollte.

Sie haben den Deutschen Science Fiction Preis bekommen - was bedeutet das für Sie?

Der Preis ist eine Anerkennung meines literarischen Schaffens, die mir viel Kraft für das weitere Arbeiten gibt. Ich hoffe, dass er meinen Namen in der Szene – und womöglich über sie hinaus – noch etwas bekannter macht, nur für den Fall, dass ich wieder einmal ein "unverlangtes Manuskript" bei einem Verlag einreiche.

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe?

Karlsruhe hat genau die richtige Größe. Es ist urban, aber noch kein Moloch. Das Kulturleben ist unglaublich reich, aber "man" kennt sich doch noch in den jeweiligen Branchen.

Was zeigen Sie Ihrem Besuch in der Region?

Das Albtal oder unser Schmuckstück Baden-Baden. Obligatorisch sind auch die Battert-Felsen, an denen ich mich auch im Sommer regelmäßig für die Bergsaison vorbereite.

Was wünschen Sie sich, was es hier noch nicht gibt?

Eigentlich bin ich wunschlos glücklich. Nur die Suche nach einem Kindergartenplatz für meinen Sohn gestaltet sich im Moment noch etwas schwierig.

Vielen Dank für das Gespräch.