Köpfe der Region


Peter Friedrich

Preisträger AUTORiKA Autorenwettbewerb


PETER FRIEDRICH, geboren 1965 in Wadern (Saarland). Studium der Biologie in Freiburg. 1993 bis 2004 freiberuflicher Biologe in Greifswald. 1999 Promotion (Zoologie/Ökologie). Seit 2005 wohnhaft in Ettlingen. Tätigkeit als promovierter Hausmann und Erzieher dreier Töchter. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften.


http://www.autorika.de


Karlsruhe, 14.12.2011

Woran arbeiten Sie gerade?

Nachdem ich mich bis vor kurzem in einem leicht experimentellen, kafkaesken "Detektiv"-Roman dem Individuum zugewandt habe, das sich aufgrund der Diskrepanz zwischen Selbst-und Fremdwahrnehmung aus jeglicher Gemeinschaft ausgeschlossen fühlt (und der Komik, die sich daraus ergibt), beschäftigen mich nun eher gesellschaftliche Probleme. Etwa die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich, die Entmündigung der Politik durch die sogenannten Finanzmärkte, die zunehmende Beschleunigung unseres Alltags, der das biologische Wesen Mensch nicht gewachsen ist etc. Hierzu ist eine Sammlung von Kurzgeschichten bzw. kleinen Erzählungen in Arbeit.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Über die Malerei. In meiner Jugend fing ich an, vom Surrealismus beeinflusste Bilder zu malen. Mit 18, 19 Jahren verlagerte sich das Interesse von der Malerei auf die Literatur. Die gemalten Bilder erschienen mir (für andere) zu unverständlich und ich fand im Schreiben ein präziseres Ausdrucksmittel.

Was fasziniert Sie daran?

Was fasziniert den Briefmarkensammler am Briefmarkensammeln? Die Glückshormone, die das Gehirn beim Erreichen selbst gesteckter Ziele ausschüttet. Mag sein, dass beim Schreiben noch andere Faktoren (romantisches Bedürfnis nach Ästhetik? Suche nach Anerkennung? Selbsttherapie? Exhibitionismus? Idealismus?) dazu kommen, aber um diese Frage auch nur annäherungsweise zu beantworten, bräuchte ich viele Seiten Platz.
Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Obwohl ich seit über zwanzig Jahren nicht mehr male, ist der Ausgangspunkt für meine Geschichten meist eine Bildidee, die spontan im Kopf entsteht. In diesen Bildern ist dabei die Realität häufig durch ein einziges phantastisches Element verfremdet, etwa wie bei Kafka und einigen südamerikanischen und spanischen Autoren.

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal gar keine Lust zum Schreiben haben?

Einen gewissen Hang zur Trägheit muss ich zwar immer wieder überwinden, aber das geht wohl jedem so, der morgens zur Arbeit muss oder sich abends zum Joggen aufrafft. Wenn die Motivation nicht reicht, diese kleine Klippe zu überwinden, sollte man es sein lassen. Außerdem können Schreibpausen (auch längere) sehr fruchtbar sein.

Sie haben bei der AUTORiKA mitgemacht. Was hat Sie daran gereizt?

Das Thema. Ich beteilige mich eigentlich nur an Literaturwettbewerben, wenn ich zum ausgeschriebenen Thema bereits einen Text oder zumindest eine Grundidee habe. Als ich das AUTORiKA-Thema "Plötzlich allein" las, kam mir sofort einer meiner kürzeren Texte in den Sinn und ich dachte: "Das passt."

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe?

Nachdem ich zwölf Jahre in Vorpommern das Leben auf dem Land genossen habe (in einem Haus, vor dem sich im wahrsten Sinne des Wortes Fuchs und Hase "Gute Nacht" gesagt haben) gefällt mir an Karlsruhe in erster Linie das kulturelle Angebot. Doch als studierter Biologe reizt mich genauso das weitere Umland: der Pfälzer Wald, der Schwarzwald, die Vogesen.

Was wünschen Sie sich, was es hier noch nicht gibt?

Mehr Wildwuchs.

Vielen Dank für das Gespräch.