Köpfe der Region


Petra Rieger

Autorin


Petra Rieger, waschechte Karlsruherin, lebt nun in Neureut in glücklich wilder Ehe. Die gelernte Buchhändlerin arbeitet im Fachinformationszentrum Karlsruhe (FIZ) als Dokumentarin, schreibt Gedichte und kleine Geschichten in Hochdeutsch und Mundart, erhielt 1999 einen Mundartpreis für Prosa, veröffentlichte 2010 Gedichte in der GEDOK-Anthologie "Karlsruher Orte – Literarische Spaziergänge", trat beim "Karlsruher Lesefrühstück" auf und ist schon Dauergastleserin beim "Neereder Mundart-Frühschobbe".


http://www.karlsruhe-entdecken.de


Karlsruhe, 05.10.2010

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich warte auf einen Geistesblitz, der mich tauglich macht für die "AUTORiKA".

Wie kamen Sie zum Schreiben?

Durch die Schule und die Bücher meiner Eltern. Wir sollten ein Muttertagsgedicht abschreiben. Daraufhin habe ich es selbst probiert. Mit 11 Jahren hielt ich meine erste Büttenrede vor der Klasse. Mit 13 las ich "Désirée" von Annemarie Selinko – eine Art Tagebuch in Romanform. Danach schrieb ich mein eigenes. Später habe ich Freunde und Verwandte bei sämtlichen Anlässen bedichtet, einschließlich romantischer Liebesverse. Als Kind gab es zwei Berufe für mich: Schriftstellerin oder Pop-Sängerin - in den Augen meiner Eltern beides "brotlose Kunst". Also entschied ich mich für den Buchhandel. Ich habe damals alles Lesbare verschlungen bis mir die Augen tränten.

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal keine Lust zum Dichten haben?

Gar nicht. Ich lasse es einfach. (Lach!) – Nein, ich weiß, was Sie meinen. Wenn ich einen Termin habe, muss ich mich buchstäblich zwingen, mich auf den Hosenboden zu setzen und nachzudenken. Allerdings fällt mir das Beste oft erst kurz vor knapp ein, letzte Korrekturen am Abend vorher sind nicht selten, Schnapsideen inbegriffen. Ansonsten überfällt mich die Muse oft an völlig deplatzierten Örtlichkeiten wie im Schwimmbad oder auf einer Wiese. (Mist, wenn man keinen Stift zur Hand hat!)- Inspirieren lasse ich mich hauptsächlich auf Lesungen, gelegentlich auch durch Bücher.

Was bedeutet das Schreiben für Sie?

Ein Ausnahmezustand. Geistige Flucht aus dem Alltag. Ein Kick, der mein Leben bereichert. Augenblickliche Glücksgefühle, wenn mein "Werk" gelungen ist. Wenn*s mich gepackt hat, bin ich total realitätsfremd, muss beispielsweise aufpassen, nicht die falschen Dinge einzukaufen. Ich kann Essen, Trinken und Schlafen vergessen. Das nervt. Trotzdem bin ich für diese Gabe unendlich dankbar.

Wie kamen Sie zur Mundart?

Das war 1996 bei einer Weihnachtsfeier. Da hat man mir "Der mit de Wurscht" in die Hand gedrückt, eine Geschichte von Harald Hurst. Die sollte ich vortragen. Ich war sofort begeistert. Ein Jahr später habe ich meine Geschäftskollegen mit eigenem "Weihnachtsgebabbel" unterhalten und sie nebenbeinoch aufs Korn genommen. Das wurde zur Institution. Manchmal ist da auch ein Sketch entstanden. - Bei einem Wettbewerb wollte ich's dann wissen.
Welche Erfahrung machten Sie als Büttenrednerin?

Vielleicht die, dass es im Leben Episoden gibt. Es war ein Traum, den ich mir erfüllt habe, eine lange und absolut schöne Zeit, die ich nicht missen will. Als Vollblutfastnachterin sah ich es als eine Art Berufung. - Einen Saal zum Lachen zu bringen ist schlichtweg berauschend. Aber der Druck, sich jedes Jahr wieder etwas Besonderes einfallen lassen zu müssen, auch wenn man gerade nicht so lustig drauf ist, hat mich veranlasst, aufzuhören. Ich war damals privat in einer Umbruchphase.

Was tun Sie sonst noch so in Ihrer Freizeit?

Kleine aber feine Gerichte genießen mit meinem Meisterkoch; mit der Seán Treacy Band Karaoke singen (auch mal einen Song woanders); mit Freunden wilde Rockkonzerte besuchen und dabei so richtig abtanzen; schwimmen (oft und regelmäßig), saunieren, joggen, Gymnastik vor dem Fernseher (vorzugsweise bei einem Krimi), Radfahren, spazieren gehen, Bergwandern, gute Comedy, auch Kabarett live oder im TV erleben (bin Fan der "ALzHeiMER" und "Kratzbürsten"), Pilze sammeln.

Was lieben Sie an Karlsruhe?

Die trotz allgemeiner Hektik immer noch bestehende Gemütlichkeit. Was sich in unserer Stadt zum Vorteil gewandelt hat, sind die vielen Straßencafés, die zahlreichen Feste und die wachsenden kulturellen Angebote für jung und alt. Persönlich schätze ich vor allem den nahen Hardtwald, die Baggerseen rings herum, aber auch den "kleinen Bodensee" mit seinem Naturschutzgebiet. Herrliche Fleckchen Erde! Liebt man es bergiger, ist das Albtal mit dem beginnenden Schwarzwald ideal und auch nicht so weit weg.

Wohin gehen Sie mit Ihrem Besuch?

Je nach Alter und Interesse führe ich ihn in den Stadt-, Schloss- oder Botanischen Garten.

Ihr Schlusswort:

Ich bin noch ein Neuling in diesem Metier. Dass ich jetzt drei Gedichte in einer Anthologie veröffentlich habe, übertrifft jegliche Erwartungen. Zum ersthaften Autorendasein wollte ich mich eigentlich erst in meiner Altersteilzeit entschließen – dann aber richtig. Ich bin gespannt, wie?s weiter geht und bedanke mich bei allen, die mich bisher unterstützt haben.

Herzlichen Dank für das Gespräch
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