Köpfe der Region


Prof. Dr. Lenz

Direktor des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe


Norbert Lenz, geboren 1961 im westfälischen Gütersloh, studierte nach dem Abitur Biologie an der Universität Bayreuth und der Christian-Albrechts-Universität Kiel, wo er seine Diplomarbeit über die Ökologie von Libellengemeinschaften an Kleingewässern in Schleswig-Holstein anfertigte.
Anschließend ging er – gefördert durch in- und ausländische Stipendien – für mehrere Jahre nach Australien und schrieb als Doktorand der Griffith University in Brisbane (Queensland) seine Dissertation über die Evolutionsökologie des Gelbnacken-Laubenvogels, der in subtropischen Regenwäldern Ostaustraliens lebt.
Nach der Promotion zum Doctor of Philosophy (Ph.D.) war er 1994 bis 1995 Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried bei Konstanz, 1996 bis 2001 Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bodensee-Naturmuseums Konstanz, 2002 bis 2007 Stellvertretender Direktor, Leiter der wissenschaftlichen Sammlungen und des Insektariums beim Löbbecke-Museum und Aquazoo Düsseldorf und von 2007 bis 2008 Direktor des Naturhistorischen Museums Mainz sowie Leiter der Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz. Seit Mai 2008 ist er als Direktor des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe tätig.


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Herr Professor Lenz, woran arbeiten Sie gerade?

Beim Naturkundemuseum Karlsruhe werden derzeit verschiedene umfangreiche Bauvorhaben vorbereitet: Im Jahr 2011 sollen in mehreren Bauphasen Brandschutzmaßnahmen durchgeführt werden, in den Jahren 2014 und 2015 kann hoffentlich endlich der Westflügel unseres Gebäudekomplexes, der derzeit vorwiegend als Bücherspeicher für die Badische Landesbibliothek dient, an das Naturkundemuseum angebunden werden. Dies würde dem Naturkundemuseum über 1.200 m² zusätzliche Ausstellungsfläche bringen. Das inhaltliche und gestalterische Konzept dafür wird gerade bearbeitet, eine wichtige Grundlage für die erforderlichen Haushaltsverhandlungen.

Was aktuelle Ausstellungsvorhaben anbetrifft, gilt mein Hauptinteresse derzeit dem Himalaja-Staat Bhutan, dessen reiche Natur- aber auch Kulturgeschichte ab Herbst 2011 in einer einzigartigen Sonderausstellung im Naturkundemuseum Karlsruhe zum ersten Mal in Deutschland umfassend präsentiert werden soll.

Wie sind Sie zum Naturkundemuseum Karlsruhe gekommen?

Ich hatte schon als Schüler sehr breit gefächerte naturkundliche Interessen, sowohl auf den Gebieten der Biowissenschaften als auch auf jenen der Geowissenschaften, der Völkerkunde, des Natur- und Umweltschutzes. Im Naturschutz habe ich mich in der Jugendarbeit engagiert, umfangreiche Erfahrungen in der Erwachsenenbildung konnte ich u. a. während über 20 Jahren freiberuflicher Tätigkeit als Leiter naturkundlicher Studienreisen erwerben, die mich in viele, auch entlegene Winkel der Erde geführt haben. Dies alles sind wichtige Grundlagen für meine inhaltlich vielfältige Tätigkeit als Direktor des Karlsruher Naturkundemuseums, zu der ich u. a. über frühere berufliche Stationen an Naturkundemuseen in Konstanz, Düsseldorf und Mainz gelangt bin.

Was treibt Sie an?

Die verschiedenen naturkundlichen Fachrichtungen und auch die Naturkundemuseen ganz generell haben in Deutschland oft einen schweren Stand. Ein gutes Beispiel dafür ist die Tatsache, dass in das große Museum für Naturkunde in Berlin Finanzmittel nennenswerten Umfangs erst fast zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall investiert worden sind, nachdem in Berlin in den Jahren ab 1990 bereits etliche Milliarden verbaut worden waren. Es ist mir daher ein wichtiges Anliegen, den Stellenwert der Naturkunde zu stärken.
Bei Kindern ist nach meinen Erfahrungen fast immer ein Interesse an Natur und Naturkunde vorhanden, es geht aber bei vielen im Laufe des Heranwachsens verloren. Naturkundemuseen haben die wichtige Aufgabe, das (früh-) kindliche Interesse an Natur mit interessanten Ausstellungen und einem spannenden und unterhaltsamen museumspädagogischen Angebot derart zu fördern, dass es nicht verloren geht. Wer sich für naturkundliche Themen interessiert, ist auch bereit, sich für den Erhalt von Flora, Fauna und einer lebenswerten Umwelt für uns Menschen einzusetzen. Daher ist mir das richtige Mischungsverhältnis im Arbeitsprogramm des Naturkundemuseums Karlsruhe sehr wichtig, also die richtige Kombination aus Schau- und Forschungsmuseum sowie aus Dauer- und Sonderausstellungen, untergebracht in einem Gebäude, das auch architektonisch eine Perle in der deutschen Museumslandschaft ist.

Was war Ihr größter Erfolg?

Eigentlich fühle ich mich für eine Frage, die sehr nach Lebensbilanz klingt, noch ein bisschen zu jung. Aber die Tatsache, dass ich alle meine beruflichen Stationen nicht etwa aufgrund eines bestimmten Parteibuches oder durch persönliche Seilschaften erreicht habe, sondern vielmehr als Ergebnis meiner Arbeitsleistung, diese Tatsache also kann ich wohl schon als persönlichen Erfolg werten.

Was gefällt Ihnen an Karlsruhe?

Für mich als Naturfreund ist es natürlich sehr wichtig, dass Karlsruhe eine sehr grüne Stadt ist, wobei mir hektarweise Maisäcker noch nicht "grün genug" wären – es muss schon etwas naturnäher sein. Auch die landschaftliche Lage von Karlsruhe zwischen Rhein, Kraichgau und Schwarzwald finde ich sehr reizvoll. Karlsruhe hat aber auch ein sehr abwechslungsreiches Kulturprogramm zu bieten, zusätzlich bereichert durch die Nähe zu Frankreich und Rheinland-Pfalz.

Was wünschen Sie sich, was es hier noch nicht gibt?

Leider bleibt mir nicht viel Zeit, um das vielfältige Angebot in Karlsruhe und Umgebung auch zu nutzen. Ein spezielles Defizit zu benennen, fällt mir daher schwer. Was die oft angestellten Vergleiche zwischen Karlsruhe und Stuttgart anbetrifft, würde ich mich freuen, wenn die Karlsruherinnen und Karlsruher mit mehr Selbstbewusstsein aufträten, denn diese Stadt hat viel zu bieten. Andererseits ist kaum zu übersehen, dass man in Stuttgart näher an wichtigen Entscheidungsträgern ist als in Karlsruhe. Dafür ist leider auch der Sanierungsbedarf bei unserem Naturkundemuseum ein gutes Beispiel.

Vielen Dank für das Gespräch.