Köpfe der Region


Rolf Thum

Autor


ROLF THUM, geboren 1952 in Heidelberg. Verheiratet, zwei erwachsene Töchter. Arbeitet als Forschungskoordinator an einer Hochschule, schreibt Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, was immer ihm einfällt. Er betreibt einen kleinen Verlag mit vorwiegend Reiseliteratur und war schon öfter bei Lesungen in Karlsruhe dabei (z.B. beim Karlsruher Lesefrühstück). Außerdem ist er als Besitzer eines Gartens bei Heidelberg "wildschweingeschädigt"!

Foto: G. Wolfrum, Speyer


http://www.wolkengeschichten.de


Karlsruhe, 21.07.2012

Woran arbeiten Sie gerade?

An zwei Dingen gleichzeitig: Zum einen lektoriere ich ein Buch über Chile und Argentinien von einem Autor, der schon seit vielen Jahre in Südamerika lebt und mit einer Argentinierin verheiratet ist. Dieses Buch wird im kommenden Frühjahr in meinem Verlag veröffentlicht. Es wird dann das 5. in der Länderreihe sein, die ich herausgebe. Dabei handelt es sich in um Sammlungen von amüsanten Kurzgeschichten, Anekdoten und Essays – eben Dingen, die man in einem Reiseführer normalerweise nicht findet. Die anderen 4 Bücher gehen übrigens über Griechenland, Malta, Wien und die Dominikanische Republik.
Zum Zweiten schreibe ich selbst an einem Roman, der mit dem Tod eines emeritierten Professors der Universität Heidelberg während einer Jagd beginnt. Mehr will ich dazu nicht verraten.


Was veröffentlichen Sie sonst noch in Ihrem Verlag?

Außer der kleinen Länderreihe habe ich bisher nur noch ein paar Bücher von mir selbst veröffentlicht. Da ich den Verlag in Nebentätigkeit betreibe, ist leider nicht viel mehr Zeit für die Produktion weiterer Bücher. Außerdem habe ich mir auf die Fahnen geschrieben mit meinen Autorinnen und Autoren richtige Verträge abzuschließen und nicht als "Druckkostenzuschussverlag" oder "Dienstleistungsbetrieb" aufzutreten, wie das leider auch viele Kleinverlage machen. Somit ist auch mein finanzieller Rahmen begrenzt. Wer aber eine Idee für ein weiteres Buch in der Länderreihe hat, der kann sich einmal meinen Aufruf dazu anschauen: http://www.wolkengeschichten.de/Autoren_gesucht.html

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Schreiben wollte ich schon als Schüler, doch als ich merkte, wie viel Arbeit das ist, gab ich auf. Das erste Buch, das unter meinen Namen – und dem meiner Frau – erschienen ist, war 1990 schließlich ein Reiseführer über die Dominikanische Republik, verlegt vom Mai-Verlag, Dreieich. Es war übrigens einer der ersten beiden deutschsprachigen, die auf den Markt kamen. Als "Abfallprodukt" entstand dann das oben erwähnte Anekdotenbuch. Schließlich wurde ich von meinen beiden Töchter aufgefordert, die Gutenachtgeschichten aufzuschreiben, die ich ihnen immer erzählte habe. So entstanden dann ein Kinderbuch und eine Fantasy-Story mit Katzen in der Hauptrolle.

Was fasziniert Sie am Schreiben?

Das Schreiben selbst fasziniert eigentlich nicht. Es macht zwar Spaß, ist aber doch letztlich Arbeit – nicht nur geistige, sondern auch körperliche, wenn man Stunden vor dem Computer (früher war es die Schreibmashcine) verbringt. Es ist allerdings ein schönes Gefühl, irgendwann ein selbst erzeugtes Produkt in der Hand zu haben und wenn andere dieses Produkt auch noch gut finden – was will man dann mehr?
Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Das meiste entspringt den eigenen Erfahrungen oder basiert auf Erfahrungen von Bekannten. Meine Story für den AUTOiKA-Wettbewerb mit den Wildschweinen zum Beispiel rührte von Erfahrungen, die ich selbst als Gartenbesitzer – allerdings in Heidelberg – mit den Schwarzkitteln gemacht habe. Außerdem liebe ich auch das Phantastische und deshalb schreibe ich auch gern Märchen, Fantasy oder Gruseliges. Doch auch die Ideen dazu kommen vor allem aus dem, was man "kennt", also von Beobachtungen oder aus persönlichen Erfahrungen.


Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal gar keine Lust zum Schreiben haben?

Keine Lust zum Schreiben kenne ich eigentlich nicht. Es ist eher so, dass ich viel mehr Zeit dafür aufbringen möchte, doch Beruf, Familie und andere Dinge, die mir auch am Herzen liegen, mein Schreiben einschränken. Wenn ich einmal mit einem Text nicht weiter komme, verfasse ich zwischendurch etwas anderes – eine Kurzgeschichte, eine Satire oder ein Gedicht – und dann klappt es mit der anderen Geschichte wieder. Ansonsten muss ich gestehen, dass ich ohne meine Frau vermutlich nie etwas Ordentliches zu Ende gebracht hätte. Sie hat mich immer wieder ermutigt, weiterzumachen und hat mir meine Texte auch intensiv lektoriert sowie Ratschläge erteilt, wenn eine Geschichte einmal festgefahren war. Außerdem illustriert sie die Bücher in meinem Verlag, was ebenfalls zum Erfolg beiträgt.


Sie haben bei der AUTORiKA mitgemacht. Was hat Sie daran gereizt?

Bei Schreibwettbewerben mache ich eigentlich fast nie mit, doch da ich die Gelegenheit hatte als Nicht-Karlsruher, aber gelegentlicher Mitbestreiter des "Lesefrühstücks", einen Text einzureichen, wollte ich nicht nein sagen.


Was gefällt Ihnen an Karlsruhe?

Für die Leute aus der Rhein-Neckar-Region gilt Karlsruhe als "kalte Stadt"; man nennt sie deshalb auch spöttisch "Kaltsruhe". Aus meiner Sicht stimmt dies nicht. Hier gibt es viel Kultur, interessante Museen und auch Natur Mitten in der Stadt. Außerdem ist Karlsruhe eine Universitätsstadt. Sie hat zwar nicht ganz mit das Flair von Heidelberg oder Freiburg – aber die mit den Hochschulen verbundene Weltoffenheit merkt man der Stadt schon an.


Was wünschen Sie sich, was es hier noch nicht gibt?

Bislang habe ich nichts vermisst!

Vielen Dank für das Gespräch.