Mid-Ager-Tours - Serie: Blind Dates


Strohköpfe, Müslis und Sportwagenfahrer unerwünscht (Teil 2)

Wie Angela ihrem Traummann begegnete

85 Zuschriften auf ihre Anzeige. 18 Zuschriften kamen in die engere Wahl und 17 Dates hatte Angela in ein paar Wochen absolviert. Die Suche nach dem Traummann erwies sich als ziemlich anstrengend. Doch nachdem sie sich von den Strapazen einigermaßen erholt hatte, wollte sie nun auch noch Nr. 18 treffen...

Doch der Brief war weg

Versehentlich hatte Angela ihn mitsamt den aussortierten Zuschriften in den Mülleimer geworfen. Aber er war noch da. Sehr zerknittert, kaum mehr lesbar, mit Spaghetti-Soße getränkt. Die Telefonnummer ließ sich noch entziffern und so rief sie an. Die dunkle Stimme am anderen Ende der Leitung klang sachlich, kühl, fast abweisend. Inzwischen waren ja auch einige Wochen ins Land gegangen. Angela musste ihn fast zu einem Treffen überreden.

Anziehung auf den ersten Blick

"Es funkte vom ersten Blick an zwischen uns. Was mir allerdings auffiel, war seine unmoderne Kleidung, braun, schwarz, grün. Na ja." Trotzdem gingen die beiden in die nahegelegene Weinstube und unterhielten sich äußerst angeregt. Schnell stellte Angela fest, dass sie sich nicht geirrt hatte und sich hinter den schwarz-braun-grünen Klamotten ein äußerst interessanter Charakter verbarg.

Der erste Abschied

"Mein Auto stand weit entfernt, während er ganz in der Nähe des Lokals parkte. Aus einem mir unerfindlichen Grund wehrte er sich allerdings vehement, sich von mir ans Auto bringen zu lassen. Lieber lief er mit mir quer durch die ganze Stadt zu meinem Wagen und zurück. Später wurde mir schlagartig klar, warum er sein Auto vor mir verstecken sollte - es war ein Sportwagen."

Geburtstagsfeier mit Hindernissen

Angela wollte ihn unbedingt wiedersehen und lud ihn gleich für den nächsten Samstag in ihre Stammkneipe ein. Dort hatte sie einige Tische reserviert, um mit Freunden ihren 23. Geburtstag zu feiern. Die waren natürlich alle sehr gespannt auf den Fremden und neugierig bis zum Geht-Nicht-Mehr. Doch er wurde sehr freundlich aufgenommen und integrierte sich schnell. "Die Fete kam gut, machte allen einen Riesenspaß. Und dann, ich weiß nicht mehr genau, was außer Alkohol noch eine Rolle spielte - der Streß, die Erwartung, die Freude - jedenfalls, ich war sturzbesoffen."

Peinlicher Ausrutscher

Angelas Auto blieb stehen. Er fuhr sie nach Hause. "Mir war schlecht, richtig schlecht. Unterwegs musste ich mich übergeben. In seinem schönen Sportwagen. Nur meinem Allgemeinzustand war es zu verdanken, dass ich vorläufig das volle Ausmaß der Peinlichkeit, in die ich mich da hineinmanövriert hatte, nicht wahrnahm."

Zu allem Elend wurde Angelas Mutter von dem ungewohnten Lärm mitten in der Nacht geweckt, kam aus dem Haus, erfasste in Sekundenschnelle mit einem entsetzten Blick die Lage, rettete, was zu retten war, stopfte die Tochter ins Bett, kochte dem jungen Mann einen Kaffee als Trostpflästerchen und unterhielt sich noch ein Weilchen mit ihm.

Als Angela am nächsten Morgen langsam erwachte, wurde ihr langsam bewusst, was geschehen war. "Auch meine Mutter war ziemlich sauer, von wegen Manieren und so. Sie hätte dem jungen Mann ja die Couch angeboten, aber der wollte lieber heimfahren und würde gegen 11.30 Uhr nochmal vorbeikommen, um zu sehen, wie es mir ginge."


Blitzartiges Erwachen

Das Denken fiel Angela schwer, gottergeben ließ sie die Vorwürfe über sich ergehen. Aber als der letzte Satz in ihr Bewusstsein gedrungen war, wachte sie blitzartig auf. "Mir kam fast der Kaffee aus der Nase. Ich war voller Panik, es war halbelf. Eilig begab ich mich ins Bad. Ich sah genauso grausig aus, wie ich mich fühlte. Duschen. Zähneputzen. Schminken. Es war richtiggehende Restaurationsarbeit, die ich da leisten musste. Noch dazu unter diesem Zeitdruck. Aus irgendeinem Grund hatte ich am Vorabend auch noch Nasenbluten gehabt. Es war echt schlimm."

Restlos verliebt

Er kam tatsächlich wieder, obwohl ihn die Angelegenheit schon sehr beschäftigt hatte. Gerade zum zweiten Mal getroffen und dann so was. Doch die beiden verabredeten sich wieder, diesmal nahm der Bauingenieur Angela mit zu seiner Arbeitsstelle. "Es machte mir richtig Spaß, mit Gummistiefeln ausgerüstet, mit ihm im Wald an seinem Arbeitsplatz, dem Tunnel, spazierenzugehen. Ich ging mit ihm, weil er ja sowieso musste. Nebenbei wies er mich in alle möglichen und unmöglichen technischen Gegebenheiten ein, die beim Bau eines Tunnels zu beachten sind. Ich verstand zwar überhaupt nichts von der Materie, aber ich fand es himmlisch. Es war eine vollkommen andere Welt. Als ich abends wieder nach Hause fuhr, war ich total fröhlich und ausgelassen. Ich hätte die ganze Welt umarmen können - ich hatte mich restlos verliebt."

Hochzeit mit Hindernissen

Das Tunnelprojekt war kurze Zeit später beendet, ein schneller Umzug fällig zum nächsten Projekt. Was tun? Die beiden beschlossen zu heiraten, mit ihrer Ausbildung hatte Angela überall Chancen auf einen guten Arbeitsplatz. Die Zeit drängte, für Hochzeitsromantik blieb keine Zeit und auch die standesamtliche Trauung verlief mit Hindernissen.

"Es war eine Hochzeit, wie man sie nicht alle Tage erlebt. Wir kamen etwas zu spät, ein anderes Paar wurde uns vorgezogen, die Trausäle waren belegt, wir mussten warten. Endlich an der Reihe, mussten wir nach zwanzig Minuten die Zeremonie unterbrechen. Die Papiere waraen auf den falschen Namen ausgestellt. Also alles wieder raus aus dem Saal, warten."

Das alles zog sich wesentlich länger hin aus geplant. Mittlerweile war Angela schlecht, sie hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und bekam heftige Magenschmerzen. "Glücklicherweise fiel meinem Bruder, unserem Trauzeugen, ein, dass er im Auto noch ein paar Brote von gestern liegen hatte. Er lief schnell los, sie zu holen. Während er weg war, wurden wir in den Trausaal gebeten. Nun fehlte der Trauzeuge. Auf diese Nachricht hin zog sich nun der Standesbeamte wortlos zurück, vielleicht machte er auch Mittag. Also saßen wir mit Trauzeugen und Familie im Saal, aßen Hausmacher Leberwurstbrote und warteten."

Trotz aller Hindernisse, dem Glück tat das keinen Abbruch, der Bund fürs Leben wurde doch noch geschlossen und bald war das erste Kind unterwegs.

Quelle: Buch "Abenteuer Partnersuche - Erlebnisse mit Kontaktanzeigen" von Monika Wehn





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