Köpfe der Region


Wolfgang Burger

Kriminalautor


Wolfgang Burger: Im Alter von zwölf Jahren erschien eine erste Krimi-Kurzgeschichte in der Kinderzeitschrift Glückspilz. Nach Abitur und Bundeswehr Studium der Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe und 1993 Promotion zum Dr.-Ing.. Seit 1980 arbeitet Wolfgang Burger als Akademischer Mitarbeiter am Karlsruher Institut für Technologie KIT als Leiter einer Forschungsabteilung des Instituts für Produktentwicklung IPEK.

Das Krimifieber hat ihn erst 1995 wieder gepackt, und zwar mitten im Sommerurlaub in Schweden. Vielleicht war es die Nähe zu Ystad, die inspirierte? Seither schreibt er Kriminalromane sowie hin und wieder auch einschlägige Kurzgeschichten. Der erste Roman "Mordsverkehr" erschien 1998 und ist bis heute lieferbar. Inzwischen sind elf weitere Romane erschienen, davon sechs mit dem Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach als Protagonisten. Wolfgang Burger zählt heute zu den erfolgreichsten Krimi-Autoren Deutschlands.


http://www.wolfgang-burger.com


Karlsruhe, 14.12.2011

Woran arbeiten Sie gerade?

Am Manuskript des siebten Gerlach-Bands "Der fünfte Mörder". Wie üblich ist die Zeit knapp, vieles noch zu tun, und in sieben Wochen droht der Abgabetermin. Und wie üblich wird es auch dieses Mal wieder irgendwie gut gehen...

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Vermutlich aus dem, was man früher einmal Midlife-Crisis genannt hat. Das war 1995, im Urlaub in Schweden. Ich hatte in der Zeit davor sehr viel gearbeitet, war völlig ausgepowert und hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, mal was gaaanz anderes zu machen. Daraus ist mein erster Roman entstanden, der mit gutem Grund unveröffentlicht blieb. Aber bereits mein zweiter (ursprünglicher Titel: "Der rasende Roland") wurde nach zahllosen und äußerst schmerzhaften und lehrreichen Überarbeitungen 1998 schließlich und endlich als "Mordsverkehr" veröffentlicht.

Warum schreiben Sie Krimis und nicht z.B. Liebesromane?

Mich interessiert am Krimi bis heute, dass man Menschen in Grenzsituationen begleiten kann. Durch Situationen, die man nie und nimmer selbst erleben möchte. Merkwürdigerweise übt das ja auf uns Menschen eine seltsame Anziehungskraft aus. Außerdem mag ich selbst spannende Geschichten und hasse langweilige Bücher. Zur "hohen Literatur" fühle ich weder befähigt noch berufen. Bei mir steht die Geschichte im Zentrum, die Menschen, ihr Leid, ihre Freude, ihr Glück und Pech. Und natürlich sind meine Romane (zu meiner Überraschung) auch immer Liebesgeschichten. Die Liebe gehört nun mal seit Homer neben Sterben und Werden und Mord und Todschlag zu den wichtigsten Themen der Literatur.

Warum spielen Ihre Romane seit einigen Jahren in Heidelberg und nicht in Karlsruhe?

Weil Karlsruhe sich aus verschiedenen Gründen offenbar nicht recht als Handlungsort für eine Romanreihe eignet. Jedenfalls wurden bei meinen fünf Karlsruhe-Bänden die Verkaufszahlen immer schlechter, je besser die Besprechungen wurden. Während die Heidelberger stolz sind auf ihre Stadt und fast zwanghaft alles kaufen, was damit zu tun hat, scheinen es die Karlsruher umgekehrt zu halten: Was von hier kommt, kann nichts Rechtes sein.
Das ärgert mich manchmal regelrecht an uns Karlsruhern: Dass wir unser Licht viel zu gerne unter den Scheffel stellen, statt auch mal stolz zu sein auf unsere schöne Stadt, die auswärtige Besucher immer wieder in Entzücken versetzt. Dass wir lieber nörgeln als auch mal zu loben. Hinzu kommt aber natürlich, dass Heidelberg deutlich bekannter ist als Karlsruhe. Es ist in den Köpfen der meisten Menschen positiv besetzt, selbst wenn sie niemals dort gewesen sind. Man meint es zu kennen, weil es eben Heidelberg ist. Und es bietet bei aller Romantik ein enormes Potenzial für Krimis. Da sind die Amerikaner (jetzt natürlich nicht mehr so zahlreich), die altehrwürdige Universität, der Odenwald, der Kraichgau, Mannheim mit seinen durchaus auch problematischen Ecken ?


Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mal gar keine Lust zur Arbeit haben?

Vermutlich wie jeder Mensch: Ich setze mich hin und fange an. Das ist beim Schreiben nicht anders als am Montageband. Wenn man mal begonnen hat, dann geht es schon irgendwie. Und irgendwann kommt der Spaß dann von ganz allein (der am Montageband vermutlich meist ausbleibt). Das ist ja das unglaublich Schöne am Bücherschreiben: Es macht immer wieder unbändigen Spaß. Ich empfinde es als großes Glück, für etwas auch noch Geld zu bekommen, das mir so viel Vergnügen bereitet. Das Wort "Schreibblockade" halte ich für eine vornehme Umschreibung für Arbeitsunlust.

Was zeigen Sie Ihrem Besuch in Karlsruhe und der Umgebung?

Erstens die Weststadt, wo ich wohne, den Gutenbergplatz, die schönen Häuser an der Sophienstraße, die Günther-Klotz-Anlage, wo meine Frau und ich so oft spazieren gehen. Aber dann natürlich auch das Schloss samt dazugehörigem Park. Manchmal den Rhein. Und ansonsten das, was der Besuch gerne sehen möchte.

Vielen Dank für das Gespräch.